Seit 1979 regiert Teodoro Obiang (83) in Äquatorialguinea mit harter Hand. Der Papst ermahnt ihn, Freiheit und Gerechtigkeit zu ermöglichen. Und er spricht eindringlich über aktuelle Gefahren für die Menschheit.
Papst Leo XIV. hat den Dauerherrscher von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang (83) ermahnt, Freiheit und Gerechtigkeit zuzulassen. Dabei zitierte er dieselben Worte, die schon Johannes Paul II. (1978-2005) vor 44 Jahren demselben Präsidenten gesagt hatte.
In einer Rede im Präsidentenpalast von Malabo sagte der Papst kurz nach seiner Ankunft am Dienstag, es gehe darum, „ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen“. Dies seien „noch immer aktuelle Worte, die alle, denen öffentliche Verantwortung übertragen ist, zum Nachdenken anregen können“.
Weiter erinnerte der Papst an die Worte des Kirchenvaters Augustinus, der die stolze Eigenliebe getadelt hatte, weil „die Gier nach weltlicher Macht und Herrlichkeit zur Zerstörung führt.“ Leo XIV. warb für eine Orientierung der Politik an der Soziallehre der Kirche. Sie sei eine „Hilfe für alle, die sich den neuen Herausforderungen stellen wollen, die unseren Planeten und das menschliche Zusammenleben bedrohen, indem sie vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen“.
Die Kirche wolle moralische Maßstäbe und ethische Grundsätze aufzeigen und zugleich die Freiheit der Einzelnen und die Selbstbestimmung der Völker und der Regierungen achten. Den Regierenden in Äquatorialguinea legte er ans Herz, mehr in junge Menschen zu investieren.
„Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung“
In seiner auf Spanisch – der Landessprache – gehaltenen Rede vor den Regierenden, Diplomaten und Mitgliedern der Zivilgesellschaft des kleinen Landes ging der Papst zudem auf die gegenwärtige Weltlage ein. So sagte er: „In einer von Machtanmaßung verwundeten Welt hungern und dürsten die Menschen nach Gerechtigkeit.“
Ferner zitierte er seinen Amtsvorgänger Franziskus: „Wir müssen heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet.“ Weiter beklagte Leo XIV., „dass die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker“.
Der Papst wandte sich auch gegen eine religiöse Begründung von Kriegen: „Ohne einen Kurswechsel in der Politik und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen droht eine tragische Beeinträchtigung der Zukunft der Menschheit. Gott will das nicht. Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anmaßung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden.“
Text: KNA | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA







