Der Litani-Fluss galt bisher als kritische Linie im israelisch-libanesischen Konflikt. Jetzt zielt Israel auf eine Evakuierung weiterer Gebiete.
Die israelische Armee hat angekündigt, in Kürze mit Luftangriffen auf Brücken über den Litani-Fluss im Süden des Libanons zu beginnen. „Um zu verhindern, dass Verstärkung und Kampfmittel den Fluss überqueren, beabsichtigt die Armee, ab heute Mittag die Übergänge über den Litani-Fluss anzugreifen“, erklärte ein arabischsprachiger Armeesprecher am Mittwoch auf der Plattform „X“. Zuvor hatte er die Bevölkerung des Südlibanons aufgerufen, sich in Gebiete nördlich des Zahrani-Flusses in Sicherheit zu bringen.
Damit weitete Israel seine seit zwei Wochen geltenden Evakuierungsbefehle um weitere rund 18 Kilometer auf rund 41 Kilometer von der „blauen Linie“ nach Norden aus. Die blaue Linie trennt als Demarkationslinie Nordisrael vom Südlibanon. Die Bevölkerung solle „jegliche Bewegung in Richtung Süden unterlassen, die ihr Leben gefährden könnte“.
Die israelische Armee begründet die Anordnung mit terroristischen Aktivitäten der Hisbollah in diesem Gebiet, gegen die man entschlossen vorgehen werde.
Die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates regelt den Waffenstillstand zwischen beiden Ländern und definiert eine Pufferzone im Südlibanon bis zum Litani-Fluss. Milizen der libanesischen Terrorgruppe Hisbollah müssten sich nach der Resolution in Gebiete nördlich des Flusses zurückziehen, während libanesisches Militär im Südlibanon stationiert werden soll.
Seit Anfang März wurden nach offiziellen libanesischen Angaben mindestens 912 Personen durch israelische Angriffe auf den Libanon getötet. Mehr als eine Million Menschen sind demnach durch die Kampfhandlungen vertrieben worden
UN-Blauhelme fordern Ende der Kämpfe
Die im Süden des Libanon stationierten UN-Blauhelme haben derweil vor einer weiteren Eskalation zwischen dem Libanon und Israel gewarnt. „Heftige Feuergefechte, verstärkte Luft- und Bodenaktivitäten sowie eine verstärkte Präsenz israelischer Streitkräfte auf libanesischem Gebiet sind äußerst beunruhigende Entwicklungen“, heißt es in einer Stellungnahme der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (Unifil) vom Mittwoch.
Als besorgniserregend bezeichnete Unifil auch die Evakuierungsbefehle beider Kriegsparteien, die die Zivilisten beiderseits der sogenannten blauen Linie träfen, die die Demarkationslinie zwischen dem Südlibanon und Nordisrael markiert.
Eine vollständige Einstellung der Feindseligkeiten sowie die Umsetzung der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates seien „der einzige gangbare Weg zu dauerhafter Stabilität“, hieß es weiter.
Hilfswerke: Kirchliche Notversorgung im Libanon stößt an Grenzen
Kirchliche Einrichtungen im Libanon kommen wegen der israelischen Angriffe im Land an ihre Grenzen – davor warnt das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Die Militäreinsätze hätten Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben, teilte die Organisation am Mittwoch in München mit. In dieser Lage übernehme die Kirche eine zentrale Rolle in der Versorgung der Bevölkerung. „Die Kirche ist im Libanon wirklich ein Fels in der Brandung“, sagte die Projektkoordinatorin des päpstlichen Hilfswerks im Libanon, Marielle Boutros. Wie Boutros ausführte, haben kirchliche Einrichtungen ihre Türen für Vertriebene geöffnet – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Pfarreien, Klöster und soziale Einrichtungen leisteten Nothilfe und böten Unterkunft. Doch die Kirche betreibe bereits Schulen, Altenheime, Kranken- und Waisenhäuser. Viele kirchliche Partner seien erschöpft, Ressourcen knapp, Perspektiven unsicher.
Zudem bezeichnete Boutros die Kirche im Nahen Osten als entscheidenden Stabilitätsfaktor – auch über den Libanon hinaus. Ein Zusammenbruch kirchlicher Strukturen hätte daher weitreichende Folgen für die gesamte Region. Nach Jahren wirtschaftlicher Krise treffe die neue Gewalt das Land besonders hart. „Jedes Mal, wenn wir glauben, dass sich das Leben normalisiert, geschieht etwas, das uns wieder an den Anfang zurückwirft“, so Boutros. „Dieser Krieg wirft uns sogar auf null zurück.“
Auch das Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ zeigte sich aufgrund der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten zutiefst besorgt – insbesondere um die vom Konflikt betroffenen Kinder. „Mädchen und Jungen haben laut UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Schutz vor Gewalt. Wir fordern alle Konfliktparteien auf, dieses Kinderrecht nicht zu missachten“, sagt Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks laut einer Mitteilung der Organisation..
Texte: KNA | Bild: Andrea Krogmann/KNA







