Nach schweren Angriffen im Norden des Südsudan mit mindestens 169 Toten haben die katholischen Bischöfe des Sudan und des Südsudan zu Besonnenheit und einem Ende der Gewalt aufgerufen. Sie warnen vor einer zunehmenden „Kultur der Rache“ – und fordern eine unabhängige Aufklärung der Taten.
Bei einer Reihe von Angriffen am frühen Morgen des 1. März sind nach Angaben des Missionspressedienstes Fides, der sich auf lokale Behörden beruft, im Bezirk Abiemnhom im Verwaltungsgebiet Ruweng, insgesamt 169 Personen getötet worden. Mindestens 68 weitere Personen wurden verletzt. Nach Angaben von Überlebenden hatten bewaffnete junge Männer aus dem benachbarten Bezirk Mayom im Bundesstaat Unity gegen 4.30 Uhr morgens das Bezirkszentrum angegriffen.
Die Kämpfe dauerten nach Informationen der UN-Mission im Südsudan (UNMISS) mit Sitz in Juba mehrere Stunden an, bevor Regierungstruppen wieder die Kontrolle über das Gebiet übernehmen konnten. Bereits zwei Tage zuvor hatte die UN-Mission vor einer Eskalation der Gewalt in der Region gewarnt. Rund tausend Menschen hätten Zuflucht bei einem UNMISS-Stützpunkt gesucht, heißt es.
Pfarrer Peter Biong, stellvertretender Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz des Sudan und des Südsudan, rief angesichts der Ereignisse zu Gebet und Solidarität auf. „Wir beten für alle, die Angehörige verloren haben. Möge der Herr ihnen beistehen, sie trösten und ihnen die Kraft geben, die Herausforderungen und das Trauma zu überwinden, die sie erleben“, sagte er. Zugleich kritisierte er, viele Opfer könnten aufgrund logistischer Schwierigkeiten im Land bislang noch nicht beerdigt werden.
Bischöfe: Rache ist keine Gerechtigkeit
Die Bischöfe des Sudan und des Südsudan verurteilten die jüngsten Massaker in einer gemeinsamen Botschaft scharf. Sie sprechen von „einem neuen Abstieg in den Abgrund menschlicher Verderbtheit, wo die Heiligkeit des Lebens … mit alarmierender Straffreiheit mit Füßen getreten wird“. Neben den Angriffen in Abiemnhom verweisen sie auch auf ein Massaker im Bezirk Ayod im Bundesstaat Jonglei, bei dem nach Fides-Informationen am 22. Februar 25 Menschen getötet wurden.
„Das Blut unserer Brüder und Schwestern, Mütter und Väter, Söhne und Töchter, das nicht auf einem Schlachtfeld, sondern in ihren Gemeinschaften vergossen wurde, schreit zum Himmel“, heißt es in der Erklärung der Bischöfe. Zugleich warnen sie vor einer zunehmenden Spirale der Vergeltung: „Mit pastoraler Ehrlichkeit müssen wir uns einer schmerzhaften Wahrheit stellen: Die Kultur der tödlichen Rache hat in einigen Teilen unserer Gesellschaft tiefe Wurzeln geschlagen.“
„Rachegefühle, angeheizt durch Wut, kollektive Schuld und historische Ungerechtigkeiten, zerstören weiterhin Familien, schwächen Gemeinschaften und berauben unsere Kinder ihrer Zukunft“, so die Bischöfe weiter. „Rache ist keine Gerechtigkeit.“
Die Kirchenvertreter fordern zudem die staatlichen Behörden auf, gründliche und unabhängige Ermittlungen einzuleiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Straflosigkeit begünstigt die Wiederholung von Verbrechen“, betonen die Bischöfe. Gerechtigkeit hingegen stelle das Vertrauen der Bevölkerung wieder her.
Der Südsudan ist weiterhin von politischer Instabilität geprägt. Das Friedensabkommen von 2018, das einen fünfjährigen Bürgerkrieg mit rund 400.000 Todesopfern beendete, gilt bis heute als nur teilweise umgesetzt. Spannungen zwischen politischen Lagern und lokale Konflikte führen immer wieder zu Gewaltausbrüchen.
Text: weltkirche.de mit Information von Fides, UNMISS und SSSCBC | Bild: KNA (2011)






