Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg). Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

Europaweite Gebetskette: Bischof Meier ruft zu „entwaffnendem Frieden“ auf

Von der Ukraine bis Syrien: Im Rahmen einer europäischen Gebetsinitiative warnt Bischof Meier vor der Illusion, militärische Stärke allein könne dauerhaften Frieden sichern.

Mit einem Gottesdienst in Augsburg hat sich die katholische Kirche in Deutschland am Montag an der europaweiten „Eucharistischen Kette“ für den Frieden beteiligt. In seiner Predigt rief Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Ursachen von Gewalt auf. „Der erste Schritt zu einem gerechten Frieden ist die schonungslose Selbstreflexion“, sagte er. Gerade wenn Christen „für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ beteten, müsse diese Haltung leitend sein.

Mit Blick auf die aktuellen Konflikte erklärte Meier: „In der Ukraine, im Heiligen Land, in Syrien und in den vielen Krisengebieten dieser Welt begegnen wir einer Wirklichkeit, die von Krieg, Terror, Vertreibung, Hunger, religiöser Vereinnahmung und politischen Machtspielen geprägt ist.“ Gewalt erscheine heute vielfach wieder als selbstverständliche Sprache der Politik.

Angesichts der jüngsten Eskalation im Nahen und Mittleren Osten warnte der Weltkirche-Bischof vor einer weiteren Ausweitung der Kämpfe und rief zum Gebet für den Frieden auf. In den seit Samstag tobenden Konflikt würden mehr und mehr Staaten hineingezogen, es drohe ein Flächenbrand in der gesamten Region. „Wir schauen alle gebannt auf die Bilder, die uns aus dem Iran und der Golfregion erreichen, von den Menschen in den Schutzräumen Israels, ja, bis hin zu den Militärbasen auf Zypern“, so Meier. In den seit Samstag tobenden Konflikt würden mehr und mehr Staaten hineingezogen, es drohe ein Flächenbrand in der gesamten Region. „Mögen die Waffen bald schweigen und möge vor allem das iranische Volk die Chance bekommen, zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückzufinden“.

Zugleich unterstrich der Augsburger Bischof zwar das Recht von Staaten auf Selbstverteidigung, mahnte jedoch auch, Gewalt allein schaffe keinen Frieden. Ein dauerhafter und gerechter Friede beruhe vielmehr auf Wahrheit und Barmherzigkeit. Ohne die Benennung von Schuld und das Anerkennen von Unrecht werde es keinen echten Frieden geben. „Ein echter Friede wird dort nicht möglich sein, ohne dass Schuld benannt wird. Ohne dass Unrecht anerkannt wird. Ohne dass die Wahrheit ans Licht kommt.“

Hoffnung nicht auf militärische Sicherheit reduzieren

Dabei bedeute Barmherzigkeit nicht, Unrecht zu verschweigen. „Sie bedeutet auch nicht, die Täter und ihre Taten zu verharmlosen. Aber sie bedeutet, dem anderen nicht endgültig jede Zukunft abzusprechen“, so Meier. Mit Blick auf die Tageslesungen aus dem Buch Daniel (9, 4b-10) und aus dem Lukasevangelium (6, 36-38), in denen die Barmherzigkeit im Mittelpunkt steht, betonte Weltkirche-Bischof Meier, wer Barmherzigkeit mit „billiger Versöhnung“ verwechsle, habe den Sinn der Worte Jesu nicht verstanden.

In seiner Predigt verwies Bischof Meier auch auf seinen jüngsten Besuch in Syrien vor wenigen Wochen. Nach Jahren von Bürgerkrieg und internationalen Machtinteressen brauche es dort mehr als politische Abkommen. „Es braucht Räume des Dialogs, des Zuhörens, der lokalen Versöhnung“, betonte er. Die Begegnungen und Gespräche hätten ihm die Notwendig einer „Entwaffnung des Herzens“ gezeigt.

Selbst wenn ein „unbewaffneter und entwaffnender Friede“ angesichts globaler Bedrohungen aktuell utopisch klänge, lässt sich Meier zufolge christliche Hoffnung nicht auf militärische Sicherheit reduzieren: „Ein Friede, der allein auf Waffen beruht, bleibt fragil. Ein Friede, der Herzen erreicht, kann wachsen“.

Die Europäische Gebetskette, an der sich die Bischofskonferenzen des Kontinents beteiligen, wird vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) mit Sitz in Rom koordiniert. Ziel ist es, in der Fastenzeit ein sichtbares Zeichen der geistlichen Verbundenheit und der Solidarität mit den von Krieg betroffenen Menschen zu setzen. Nach Stationen in anderen Ländern, zuletzt in Frankreich, wird das Gebet in diesen Tagen in weiteren europäischen Kirchen fortgesetzt.

Text: dr/weltkirche.de | Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

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