Thomas Schwartz, Priester, Theologe und ernannter Hauptgeschäftsführer von Renovabis am 10. September 2021 in Freising. Bild: Dieter Mayr/KNA

Osteuropahilfswerk fordert Zeitplan für EU-Beitritt der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine geht bald ins fünfte Jahr. Das Osteuropahilfswerk Renovabis mahnt deshalb Perspektiven für das Land an, insbesondere den EU-Beitritt. Der Hilfswerks-Chef zieht einen historischen Vergleich.

Die Ukraine benötigt aus Sicht des kirchlichen Osteuropahilfswerks Renovabis verbindlichere Rahmenbedingungen für einen EU-Beitritt. Die Bundesregierung und die europäischen Partner müssten diesem Prozess eine hohe Priorität einräumen und einen klaren Zeithorizont aufzeigen, forderte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz am Freitag anlässlich des vierten Jahrestags des Kriegsausbruchs am Dienstag (24. Februar).

„Die Ukraine verteidigt heute an vorderster Front die Werte, auf denen das Haus Europa gebaut ist“, betonte Schwartz. Trotz des Krieges setze das Land konsequent Reformen um, um den EU-Beitritt voranzutreiben. Dafür brauche es nun die Bereitschaft, der Ukraine mit Flexibilität und einem klaren Bekenntnis zur Mitgliedschaft zu begegnen.

Schwartz mahnte zudem mehr Unterstützung für die ukrainische Zivilbevölkerung an, gerade in der aktuellen Winterzeit. Örtlich kommt es laut Angaben von Renovabis-Partnern zu Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius. Gleichzeitig sorgten die russischen Angriffe auf die Infrastruktur für Strom- und Heizausfälle. „Die Situation ist für uns unvorstellbar. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, Winterkleidung – unsere Hilfe ist so nötig wie nie“, erklärte Schwartz. Das Hilfswerk stellte für diesen Winter nach eigenen Angaben bereits 430.000 Euro bereit.

Zudem mache sich nach fast vier Jahren eine immer größere Erschöpfung in der Bevölkerung breit. Schwartz warnte deshalb vor einem „Ermüdungsszenario“ und hob die Bedeutung psychosozialer Hilfe hervor. Angebote wie therapeutische Lesekreise, Erzählcamps und Programme zur Traumabewältigung für Kinder sollen die Grundlage für eine inklusive Nachkriegsgesellschaft legen. „Gebäude kann man mit Beton wiederaufbauen, aber eine traumatisierte Gesellschaft braucht einen ‚Marshallplan für die Seelen’„, sagte Schwartz. Der Marshallplan war das Hauptinstrument, mit dem insbesondere die USA den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg finanzierten. Ziel des Plans war es außerdem, die Sowjetunion auf dem Kontinent einzudämmen. Benannt wurde er nach US-Außenminister George C. Marshall.

Text: KNA | Bild: Dieter Mayr/KNA

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