Dem Sudan steht nach Einschätzung des Norwegischen Flüchtlingsrats eine weitere humanitäre Katastrophe bevor. Die Provinz Süd-Kordofan sei zum neuen Epizentrum des Bürgerkriegs geworden, teilte die Organisation mit Sitz in Oslo am Montag mit. Die Menschen erlebten Bombardierungen und eine Verschärfung der Kämpfe, sagte Generalsekretär Jan Egeland.
Egeland kritisierte nach einem Besuch in der Region, dass die Welt die dortige Zivilbevölkerung erneut im Stich gelassen habe. Es herrsche eine nahezu vollständige Blockade humanitärer Hilfslieferungen. Zudem verwies er auf in Bedrängnis geratene sudanesische Helfer: Diese müssten unter extremem Druck agieren, Familien in Sicherheit bringen und unter Beschuss Hilfsgüter verteilen. Die meisten internationalen Organisationen hätten indes ihre Einsätze reduziert.
„Süd-Kordofan ist zur gefährlichsten und stärksten vernachlässigten Frontlinie im Sudan geworden“, sagte Egeland weiter und erinnerte an die jüngsten Kämpfe und Menschenrechtsverletzungen in El Fasher, Regionalhauptstadt von Nord-Dafur. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine weitere zivile Katastrophe unter unseren Augen ereignet.“ Ganze Städte würden ausgehungert und Familien gezwungen, ohne jeglichen Besitz zu fliehen.
Allein zwischen 25. Oktober und 15. Januar verließen nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration mehr als 88.000 Menschen wegen der Kämpfe ihre Häuser. Die Kriegsparteien setzen demnach zunehmend Drohnen ein und greifen zivile Ziele wie Wohnviertel an.
Im Sudan begann am 15. April 2023 ein Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces um die Vormachtstellung im Land. Seitdem sind mehr als 150.000 Menschen ums Leben gekommen. Der anhaltende Krieg im Sudan gilt als größte humanitäre Krise der Welt.
Text: KNA | Bild: dr/openstreetmap/odbdl/Bearbeitung: weltkirche.de






