Im Westjordanland reißen Berichte über Gewalt extremistischer israelischer Siedler nicht ab. Zuletzt traf es auch zwei christliche Familien. Ein Ortspfarrer wertet dies als Spiegel der sich rasant verschlechternden Lage.
Im von Israel besetzten Westjordanland ist es binnen weniger Tage offenbar zu zwei gewältigen Übergriffen israelischer Siedler auf palästinensische Christen gekommen. In Ain Arik rund sechs Kilometer westlich von Ramallah wurde demnach ein Christ angegriffen und von seinem Land vertrieben. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des lateinischen Pfarrers des Ortes, Firas Abedrabbo, von Donnerstag am vergangenen Dienstag und wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.
Bei den Tätern handelt es sich demnach um eine Gruppe von jungen israelischen Siedlern im Alter von etwa 17 bis 23 Jahren, die „von Hass, Groll und extremistischer Ideologie durchdrungen“ zu sein scheinen, so Abedrabbo.
Zuvor war laut dem Pfarrer am 24. Januar eine christlich-palästinensische Familie in Birzeit nördlich von Ramallah angegriffen worden. Dabei seien mehrere Familienmitglieder verletzt worden; die Mutter habe eine schwere Kopfverletzung erlitten. Ein Familienmitglied sei von der israelischen Armee festgenommen worden, während zwei weitere entführt, schwer geschlagen und später am Ortseingang ausgesetzt worden seien. Eine Stellungnahme der israelischen Armee zu beiden Vorfällen gab es zunächst nicht.
Die beiden Vorfälle spiegelten „die rasante und gefährliche Verschlechterung der Lage im Westjordanland wider“, so der katholische Geistliche. Für Ain Arik sei es „der erste physische Angriff dieser Art gegen Menschen innerhalb der Grenzen unserer Gemeinde“. Die Präsenz israelischer Siedler in dem muslimisch-christlichen Dorf habe zuletzt stark zugenommen. Unter anderem begannen Siedler demnach, eine Straße über Land des Dorfes zu bauen, um eine bestehende Siedlung mit einem neuen Siedlungsaußenposten zu verbinden.
Abedrabbo sieht in den Vorfällen ein „beunruhigendes Muster, das die Sicherheit der Menschen, ihre Würde sowie ihr Grundrecht, auf ihrem Land und in Sicherheit zu leben, bedroht“.
Knapp ein Drittel der 1.700 Einwohner von Ain Arik sind Christen, darunter etwa 200 Katholiken. Der Ort verfügt unter anderem über eine katholische Schule in Trägerschaft des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem und gilt als Beispiel für ein gutes muslimisch-christliches Zusammenleben. Gleichzeitig ist Ain Arik nach Angaben des Pfarrers seit einigen Jahren Zentrum der Jugendseelsorge des Patriarchats in Palästina. Dies sei jedoch durch die jüngste Gewalt gefährdet. Angesichts der Siedlerangriffe frage man sich, „ob es für die Christen und für die Jugendlichen, die für Ferienlager kommen, noch sicher ist“.
KNA | Bild: Andrea Krogmann/KNA






