Symbolbild COP31 Türkiye 2026 Bild: dr/weltkirche.de

Klimakonferenz startet Montag – Kanzler reist nicht in die Türkei

Der Countdown für die Weltklimakonferenz läuft. Die Bundesregierung setzt bei dem Treffen in der Türkei auf das Thema Elektrifizierung. Bundeskanzler Merz steht unterdessen in der Kritik.

Kurz vor dem Start der Weltklimakonferenz COP31 in der Türkei hoffen Beobachter auf Fortschritte bei der globalen Energiewende. Dafür braucht es laut Misereor internationale Solidarität, eine verlässliche Klimafinanzierung und einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Zugleich prangerte das kirchliche Hilfswerk am Freitag Kürzungen der wichtigen Geberländer bei der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit an.

Das sei kontraproduktiv. Gerade die ärmeren Länder bräuchten dringend finanzielle Unterstützung, „um die Auswirkungen sich häufender Extremwetterereignisse abzufedern und Menschen dabei zu unterstützen, sich besser an die Folgen der Klimakrise anzupassen“, betonte die Klima-Expertin von Misereor, Anika Schroeder.

Die Weltklimakonferenz findet diesmal in Antalya statt. Neben Gastgeber Türkei hat Australien die Co-Präsidentschaft inne. Im Kern geht es bei dem bis zum 20. November dauernden Treffen um die Frage, wie weit die internationale Gemeinschaft bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele gekommen ist.

Darin hatten sich die Staaten geeinigt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad, zu begrenzen. Dies soll durch Verminderungen beim Ausstoß von Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Gasen geschehen.

Laut Berechnungen des EU-Klimadienstes Copernicus liegt in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2024 die globale Durchschnittstemperatur über 1,5 Grad. Aktuell gehen die Experten von 15,35 Grad aus – das wäre eine Abweichung von 1,75 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.

Deutschland setzt auf Elektrifizierung

Die Bundesregierung will laut Umweltminister Carsten Schneider einen Schwerpunkt auf das Thema Elektrifizierung legen. Man unterstütze das von der Türkei und Australien ausgegebene Ziel, bis 2035 den Anteil von Strom beim weltweiten Energieverbrauch von derzeit 20 auf 35 Prozent zu steigern, sagte der SPD-Politiker.

Weiter kündigte Schneider an, dass Deutschland auf der Konferenz eine Initiative zur Minderung des extrem klimaschädlichen Gases SF6 vorlegen werde. Schwefelhexafluorid kommt vor allem in elektrischen Schaltanlagen zur Isolation und Löschung zum Einsatz.

Für Kritik sorgt unterdessen die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz, nicht in die Türkei zu reisen. Dafür machten Regierungskreise terminliche Gründe geltend, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. Neben Umweltminister Schneider wird Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) in Antalya zugegen sein.

Im Podcast „Apokalypse & Filterkaffee“ nannte Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer das Fernbleiben von Merz „ziemlich peinlich und verantwortungslos“. Sie sprach von einem absoluten Tiefpunkt in der Amtszeit des CDU-Politikers. Bei dem Treffen in Antalya handle es sich um „die bedeutsamste globale Konferenz auf dem Level der Staats- und Regierungschefs“, so Neubauer. „Und wer dort fehlt, der setzt eben ein Wahnsinnszeichen.“

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de (Symbolbild)

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