Am Sonntag wählt Brasilien einen neuen Präsidenten. Das Hilfswerk Misereor rechnet im Fall eines Sieges von Bolsonaro mit schweren Zeiten für Indigene und den Umweltschutz.
Die katholische Entwicklungsorganisation Misereor hat sich besorgt über einen möglichen Sieg Flávio Bolsonaros bei der Präsidentenwahl in Brasilien geäußert. Der Kandidat der extremen Rechten müsse in dem Fall für Gesetzesvorhaben, Verfassungsänderungen oder die Absetzung von Richtern des Obersten Gerichtshofes nur noch wenige Stimmen aus der demokratischen Mitte gewinnen. Eine solche Machtfülle wäre historisch einzigartig und ließe tiefe Einschnitte in die Demokratie erwarten, teilte das Hilfswerk am Montag in Aachen mit. Besonders gefährdet seien Rechte der Indigenen und anderer traditioneller Gemeinschaften, aber auch der Umweltschutz und das Gesundheitssystem.
Die Brasilien-Expertin bei Misereor, Regina Reinart, erklärte, Partnerorganisationen befürchteten, dass ein Sieg Bolsonaros ihre Arbeit massiv erschweren würde. Auch rechneten sie mit Einschüchterungen, Vertreibungen, Repressalien und dem Entzug finanzieller Mittel. „Bolsonaro setzt auf Agrarindustrie, Soja-Anbau, Bergbau und Großprojekte. Sein Programm sieht vor, Umweltauflagen weiter zu lockern, damit würde auch der Schutz des Amazonas gänzlich entgleiten. Was sich Menschen über Jahre hinweg mühsam an Rechten und Freiräumen erkämpft haben, könnte innerhalb kurzer Zeit zerstört werden“, sagte Reinart.
Auch Projektpartner des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat hatten kürzlich ihre Sorgen über den möglichen Ausgang der Wahlen geäußert. „Ich habe versucht, das zu verarbeiten, was nach den Wahlergebnissen passiert ist. Und ich gestehe: Ich habe geweint, ich habe Wut und Empörung gespürt, aber auch Angst. Angst – nicht nur um mich selbst, sondern um das, was unserem Land, unserer Demokratie, unseren indigenen Völkern, den Frauen, den Armen – den Menschen, die durch dieses System des Todes in die Armut getrieben wurden – und unserem geliebten Amazonasgebiet zustoßen könnte“, berichtet Schwester Elis dos Santos, die in Manaus die Casa Amazônica mitgegründet hat. Aber sie habe begriffen, dass sie nicht in der Starre verharren dürfe. „Wir müssen in Bewegung kommen und uns im gemeinsamen Kampf organisieren“, so die Ordensschwester.
Brasiliens amtierender Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und sein Herausforderer Flávio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, treten am 25. Oktober in einer Stichwahl um das Präsidentenamt gegeneinander an. Bei der ersten Wahlrunde war Bolsonaro auf rund 47 Przent der Stimmen gekommen, Lula auf 45 Prozent. Beobachter rechnen auch in der zweiten Wahlrunde mit einem leichten Vorteil für Bolsonaro, allerdings hatte es auch Lula zuletzt vermocht, seine Anhängerschaft zu mobilisieren.
Text: KNA | Bild: Roibu/stock.adobe.com (Symbolbild)






