Hand beim Einwurf des Wahlzettels in die Wahlurne (Symbolfoto) Bild: Roibu/stock.adobe.com (Symbolbild)

Brasilien: Amtsinhaber Lula und Bolsonaro-Sohn müssen in die Stichwahl

Brasiliens Linksregierung erleidet an den Urnen eine schwere Schlappe. Präsident Lula braucht nun ein Wunder, um in der Stichwahl am 25. Oktober doch noch zu triumphieren.

Text: Thomas Milz/KNA | Bild: Roibu/stock.adobe.com (Symbolbild)

In Brasilien gehen der Rechtspopulist Flávio Bolsonaro und der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva in die Stichwahl um das Präsidentenamt. Keinem der Kandidaten gelang es, im ersten Wahlgang am Sonntag die absolute Mehrheit zu erzielen. Der 45-jährige Sohn von Ex-Präsident Jair Messias Bolsonaro holte am Ende 47 Prozent der Stimmen, der 80-jährige Lula 45 Prozent. Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt.

„Jetzt geht es in die zweite Halbzeit“ erklärte der Fußball-Fan Lula anschließend vor Pressevertretern in São Paulo. Man werde nun das Bolsonaro-Lager schlagen, gab sich der für sein Alter erstaunlich agile Lula kämpferisch. Doch seinen Parteigenossen und Ministern neben ihm war das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Viele hatten aufgrund günstiger Umfragen gar mit Lulas Sieg im ersten Wahlgang gerechnet.

Doch lag Flávio Bolsonaro fast während des ganzen Auszählungsabends deutlich bei mehr als 50 Prozent. Erst die ganz zum Schluss eintrudelnden Ergebnisse aus dem Nordosten und Norden Brasiliens ließen Lula aufholen. In diesen armen Regionen liegen seine Hochburgen. Dagegen hat er die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Region, den Südosten mit Zentren wie São Paulo und Rio de Janeiro, überraschend deutlich verloren.

Besonders in São Paulo, wo Lula in den 1970er Jahren seine politische Karriere startete, erlebte seine Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) ein Debakel. Lulas Finanzminister Fernando Haddad verlor hier die Gouverneurswahl haushoch gegen einen Bolsonaro-Alliierten. Und Lulas Umweltministerin Marina Silva, eine der global angesehensten Umweltschützerinnen, blieb bei der Wahl für den Senat chancenlos.

Bolsonaro-Lager gewinnt Gouverneursposten

Das rechte Lager um Flávio Bolsonaro gewann dagegen neben zahlreichen Gouverneursposten auch deutlich an Macht im Kongress. Sollte der Sprössling des wegen eines Putsches gegen Lula zu 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Präsidenten Jair Messias Bolsonaro die Stichwahl gewinnen, kann er dank einer deutlichen Mehrheit im Kongress durchregieren. Sollte hingegen Lula doch noch gewinnen, stünde er einem feindlich gesinnten Kongress gegenüber.

Doch ein solches Wunder scheint in weiter Ferne zu liegen. Noch nie konnte der Verlierer des ersten Wahlgangs in Brasilien eine Stichwahl gewinnen – am Sonntagabend (Ortszeit) trennten beide 2,3 Millionen Stimmen. Zudem dürften die rund sieben Prozent, die die restlichen Kandidaten am Sonntag erhalten haben, mehrheitlich ins Bolsonaro-Lager wechseln. Denn fast alle dieser Kandidaten repräsentieren das rechte Spektrum.

Lula muss nun versuchen, im Lager der Nichtwähler Stimmen zu mobilisieren. Rund 30 Millionen der 159 Millionen Wahlberechtigten blieben am Sonntag den Urnen fern.

Herausforderer Flávio Bolsonaro ließ sich am Abend von seinen Anhängern feiern. „Die Ära der Arbeiterpartei ist vorbei, Brasilien will den Wechsel“ frohlockte er. Er werde nun das brasilianische Volk von Lulas „Schuldenpolitik“ befreien, versprach er. Befreien will er aber auch seinen derzeit im Hausarrest sitzenden Vater.

Diesen werde er als seine erste Amtshandlung als Präsident begnadigen, hatte Flávio Bolsonaro im Wahlkampf versprochen. Für viele Brasilianer war dies ein starkes Argument, um für den als politisches Leichtgewicht geltenden Senator zu stimmen.

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