Ein erfolgreicher Schlag gegen Islamisten oder ein Kriegsverbrechen in Mali? Nach Ansicht von Human Rights Watch letzteres. In einem Bericht erheben die Menschenrechtler schwere Vorwürfe gegen Russlands Afrika-Korps und die malische Junta.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat schwere Vorwürfe gegen das von der russischen Regierung kontrollierte Afrika-Korps – ehemals Teil der Wagner-Söldnergruppe – erhoben. Im westafrikanischen Mali soll es bei einem Luftangriff acht Zivilisten getötet haben, teilte die Organisation am Freitag mit. Den Angaben zufolge ereignete sich der Vorfall am 15. Juni in der Region Mopti im Zentrum des Landes.
Laut HRW wurden zwei Geschosse auf das Dorf Kyrnia abgeworfen. Der erste Einschlag erfolgte vor dem Wohnhaus des Dorfvorstehers; der zweite auf einem etwa 20 Meter entfernten kleinen Viehmarkt. Unter den Opfern waren den Informationen zufolge drei Kinder.
Das Afrika-Korps hatte zuvor in Sozialen Medien von „einem erfolgreichen Luftangriff auf einen Versammlungsort terroristischer Gruppen“ gesprochen. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation konnten die beiden im Video gezeigten Einschläge anhand von Geodaten dem Dorf Kyrnia zugeordnet werden. Augenzeugen berichteten, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs rund 100 Anhänger der islamistischen „Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime“ (JNIM) hatten.
HRW: Junta muss Verbrechen unparteiisch untersuchen
Schwere Kritik übte die Organisation auch an der Junta, die seit August 2020 in Mali an der Macht ist. Sie lasse den russischen Behörden freie Hand, kritisierte Ilaria Allegrozzi, leitende HRW-Expertin für die Sahelzone. „Die malische Regierung kann sich nicht hinter den Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht verstecken, die von ihren russischen Verbündeten begangen wurden“, so die Expertin weiter.
Stattdessen müsse die Junta die auf ihrem Staatsgebiet begangenen Verbrechen unparteiisch untersuchen. Andernfalls mache sie sich der Mitschuld an diesen Übergriffen schuldig.
Informationen über eine Kooperation zwischen Malis Junta und der damaligen Wagner-Gruppe wurden erstmals im Herbst 2021 bekannt. Die Zusammenarbeit läutete das Ende der UN-Mission zur Stabilisierung des Nordens ein. Nach einem Tuareg-Aufstand und der Kontrolle des Nordens durch islamistische Gruppen im Jahr 2012 entstand die UN-Mission Minusma. In der Bevölkerung stand sie zunehmend in der Kritik. Den russischen Söldnern wie der Junta wurden wiederholt schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Für den Bericht befragte HRW eigenen Angaben zufolge 19 Personen aus der Ferne, darunter sechs Augenzeugen, Vertreter der Zivilgesellschaft, Gemeindevertreter, Quellen beim malischen Militär sowie lokale Journalisten. Zudem analysierte sie Satellitenbilder der Einschlagsorte.
Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de






