In Nigeria geht ein Prozessmarathon weiter. Jetzt hat nach Berichten nigerianischer Medien ein Gericht in der Hauptstadt Abuja wieder Hunderte Menschen verurteilt. Trotzdem sind in dem Riesenstaat Terrorgruppen weiter aktiv.
In einer Reihe von Prozessen sind in Nigeria fast 400 Menschen wegen Terrordelikten verurteilt worden. Die Richter des Bundesgerichtshofs in der Hauptstadt Abuja sahen es als erwiesen an, dass die Verurteilten den islamistischen Gruppen Boko Haram oder Iswap (Islamischer Staat in Westafrika) angehörten oder mit den Bewegungen kooperierten. Den Berichten zufolge reichen die Strafen von fünf Jahren Gefängnis bis zu lebenslanger Haft.
Nigerias Generalstaatsanwalt Lateef Fagbemi sagte am späten Freitagabend, insgesamt habe man 508 Fälle vor Gericht gebracht: 386 Angeklagte wurden verurteilt und acht freigesprochen. Die übrigen Verhandlungen wurden vertagt. Die nächsten Prozesse sollen nach Angaben der Zeitung „This Day“ zwischen dem 15. und 18. Juni stattfinden.
Die Verfahren gegen mutmaßliche Terroristen hatten im Jahr 2017 begonnen. Mehr als 2.000 Personen wurden angeklagt. Menschenrechtsgruppen wie Vertreter der Vereinten Nationen hatten stets faire und transparente Verfahren gefordert. Organisationen wie Amnesty International hatten zudem wiederholt kritisiert, dass Polizei und Sicherheitskräfte Menschen jahrelang wegen Terrorismus-Vorwürfen unter menschenunwürdigen Bedingungen festhalten, darunter Minderjährige, ohne stichhaltige Beweise zu haben.
Zehntausende Todesopfer
Boko Haram gründete sich 2002 im Nordosten Nigerias. Die Bewegung forderte zunächst eine konservative Auslegung des Islam, kritisierte Korruption und westliche Einflüsse. In den Folgejahren radikalisierte sich die Bewegung und lieferte sich Kämpfe mit nigerianischen Sicherheitskräften.
Weltweit bekannt wurde Boko Haram im April 2014 durch die Entführung von zunächst 276 Schülerinnen aus einer weiterführenden Schule in Chibok im Bundesstaat Borno. Dem Militär gelang es in der Folge, die Gruppe zurückzudrängen. Sie existiert aber weiter und verübt oft in entlegenen und schlecht gesicherten Regionen Überfälle und entführt Menschen.
Iswap spaltete sich 2016 von Boko Haram ab. Kämpfe um die Vormachtstellung in der Region sorgten nicht für eine Schwächung beider Gruppen.
Durch Kämpfe und Überfälle der Islamisten sowie Auseinandersetzungen mit dem Militär sind in Nigeria bisher Zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Zeitweilig waren im Nordosten mehr als zwei Millionen Menschen auf der Flucht.
Text: KNA | Bild: MKS/stock.adobe.com






