Frankreich hat ein Wochenende der Zerstörung und Verwüstung erlebt. Die Betroffenheit darüber ist groß. Auch bei Kirchenvertretern.
Nach gewalttätigen Ausschreitungen und Plünderungen in mehreren französischen Städten hat Präsident Emmanuel Macron ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer angekündigt. „Beim Betrachten der Bilder haben wir uns alle gefragt: Was geht in diesen Leuten vor? Wie können Franzosen Frankreich so etwas antun? Warum das Rathaus von Limoges und die Touristeninformation in Lyon in Brand stecken, das Rathaus in Marseille stürmen oder die Residenz des Präfekten in Bordeaux angreifen?“, fragte der Präsident in einer Fernsehansprache am Sonntagabend.
Die Ausschreitungen seien durch nichts zu rechtfertigen oder zu entschuldigen, so der Präsident. Es gelte Vorkehrungen zu treffen, „dass sich so etwas nicht wiederholen kann“, fügte Macron hinzu. „Diejenigen, die versucht haben, die Republik zu stürzen, werden sich dafür verantworten müssen.“ Zugleich betonte er, dass man auf die Belange jener Menschen eingehen müsse, die friedlich gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten demonstriert hätten. Unter Jugendlichen gebe es zudem eine verbreitete Unsicherheit, was die eigene Zukunft anbelange.
Bei den Ausschreitungen am Wochenende wurden Medienberichten zufolge über 1.000 Personen festgenommen; es gab zahlreiche Verletzte. Bilder in Sozialen Medien zeigten, wie Gruppen von vermummten Demonstranten Fensterscheiben von Geschäften zerschlugen und die Läden plünderten. In Limoges brannte das aus dem 19. Jahrhundert stammende Rathaus.
Erzbischof: Nicht zu Gewalt hinreißen lassen
Der katholische Pfarrer François Renard rief in Limoges Christen dazu auf, in der angespannten Situation als Friedensstifter aufzutreten. „Wo die Hoffnung zu schwinden scheint, ist es unsere Aufgabe, sie wieder aufleben zu lassen.“ In Marseille sprach Kardinal Jean-Marc Aveline angesichts der Ausschreitungen von inakzeptablen Gewalttaten: „Am Rande der geplanten Demonstrationen wurden Geschäfte geplündert, Kirchen gewaltsam betreten, das Rathaus gestürmt und verwüstet, eine Polizeiwache verwüstet und Angehörige der Ordnungskräfte angegriffen.“
Der Erzbischof von Marseille fügte hinzu: „Ich rufe jeden dazu auf, sich nicht in den Strudel dieser Gewalt hineinreißen zu lassen: Unsere Stadt und unser Land verdienen Besseres als das. Gemeinsam mit allen Gläubigen beten wir dafür, dass diese Unruhen ein Ende finden und der Frieden wiederkehrt.“
In Frankreich finden in einem halben Jahr Präsidentschaftswahlen statt. Die Unzufriedenheit mit Amtsinhaber Emmanuel Macron ist bereits seit längerem groß. Unterdessen wurden auch aus anderen europäischen Großstädten gewalttätige Proteste gemeldet.
Text: KNA | Bild: Anthony Choren/Unsplash







