Der 7. Oktober 2023 wirkte weit über Israel hinaus. An vielen Orten weltweit wird der Opfer des Hamas-Terrors gedacht. Auch in Deutschland wenden sich Religionsvertreter und Spitzen aus der Politik gegen Judenhass.
Text: Leticia Witte/KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA
Am dritten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 haben auch in Deutschland Spitzenvertreter aus Politik und Religion an die Opfer erinnert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach am Mittwoch von „monströsen, barbarischen Taten“. Deutschland stehe fest an der Seite Israels. Hierzulande müssten Jüdinnen und Juden ohne Angst leben können. Vertreter des Judentums verwiesen angesichts von massiv gestiegenem Antisemitismus auf starke Einschränkungen im Alltag. Die katholischen Bischöfe erklärten, dass die Kirche an der Seite von Jüdinnen und Juden stehe, und verurteilten Antisemitismus.
Am 7. Oktober 2023 hatten die Terroristen israelische Orte und Armeestützpunkte nahe dem Gazastreifen angegriffen. Etwa 1.200 Menschen wurden getötet, rund 250 Geiseln verschleppt. Etliche kamen später frei, aber viele ums Leben. Die palästinensische Seite beklagt Zehntausende Todesopfer infolge des Gazakriegs, der auf den Terrorangriff der Hamas folgte.
In Israel hatte es nach dem hebräischen Kalender bereits am Montag Gedenkveranstaltungen gegeben. Aber auch am Mittwoch fanden landesweit Gedenkfeiern, Ausstellungen und Protestveranstaltungen statt. In Deutschland war die zentrale Gedenkfeier für den Nachmittag auf dem Berliner Bebelplatz geplant, am Abend dann ein interreligiöser Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche.
Der Bundeskanzler erklärte vorab: „Wir gedenken der Toten. Wir trauern mit den Hinterbliebenen. Und wir hoffen, dass der tiefe Schmerz und die Wunden, die dieser Tag, die diese monströsen, barbarischen Taten geschlagen haben, heilen können.“ Damit Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben könnten, müsse nun das Fundament einer neuen Ordnung gelegt werden. Merz bekräftigte in dem Zusammenhang die Zwei-Staaten-Lösung.
Wadephul: ansteigender Antisemitismus ist „beschämend“
Außenminister Johann Wadephul (CDU) erinnerte an die Zäsur, die der 7. Oktober für Jüdinnen und Juden darstelle. „An diesem Tag beging die Hamas den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust.“ Den „entsetzlichen Anstieg von Antisemitismus“ in vielen Ländern, auch in Deutschland, nannte er beschämend. Jede und jeder bleibe aufgefordert, sich für den Zusammenhalt des Landes einzusetzen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, betonte: „Mit Nachdruck setzen wir uns dafür ein, dass Juden, Christen und Muslime in unserem Land einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen.“ Der 7. Oktober sei ein gravierender Einschnitt für Israelis und auch Palästinenser. Hass, Terror und Krieg dürften nie das Mittel der Wahl sein.
Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama, der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Bischof Christian Stäblein fordern in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“, den Kampf gegen Antisemitismus in der Berliner Landesverfassung zu verankern. Gerade in der Stadt, in der die „industrielle, staatlich-institutionell und historisch unvergleichliche Vernichtung von Jüdinnen und Juden geplant und gesteuert wurde“, sei Antisemitismus nicht hinnehmbar.
Der Präsident der orthodoxen Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, betonte: „Juden und Israelis sind weiterhin konkrete Ziele von Terror und Gewalt.“ Diese Gefahr präge den Alltag jüdischer Gemeinden in Europa. „Synagogen und Schulen brauchen massiven Schutz. Geld, das für Bildung, Jugendarbeit oder die Unterstützung älterer Menschen gebraucht würde, fließt in Sicherheitsdienste, Kameras und Schutzmaßnahmen.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte in Sozialen Medien: „Die EU steht all denen zur Seite, deren Leben sich durch den Tag für immer verändert hat.“ Die EU sei weiterhin bereit, dazu beizutragen, dass aus dem derzeit brüchigen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden werde, auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung.







