Die Lage für viele Haitianer in den USA ist dramatisch. In den Vereinigten Staaten müssen sie mit Abschiebung rechnen – und in der Heimat könnten die Aussichten düsterer kaum sein.
Text: Tobias Käufer/KNA | Bild: natanaelginting/stock.adobe.com (Symbolbild)
Es war selbst für haitianische Verhältnisse ein außergewöhnlich brutales Massaker: In einer Augustnacht überfielen Unbekannte das Dorf Kenscoff im Großraum Port-au-Prince und metzelten fast 50 Menschen nieder. Dabei wurde eine Kirche zum Ziel des Überfalls, in der Vertriebene Zuflucht gesucht hatten.
Die Grausamkeit der Geschehnisse veranlasste UN-Generalsekretär António Guterres zu einer Stellungnahme, Miamis katholischer Erzbischof Thomas Wenski im US-Bundesstaat Florida sagte: „Das zeigt, dass das Land nicht sicher ist, dass Haiti immer noch ein brennendes Haus ist.“
Wenski sprach damit die ungewisse Lage der Migranten aus Haiti in den USA an – einige Wochen nach der Aufhebung eines vorübergehenden Schutzstatus. Schätzungen gehen von rund 350.000 Personen aus, die von der Aufhebung betroffen sind.
Nun droht ihnen quasi jederzeit die Abschiebung, während sie im Krisenland Haiti ein außer Kontrolle geratener Bandenkrieg mit Tausenden Toten erwartet. Laut einem Bericht der „Haitian Times“ haben US-Behörden bereits mehrere Abschiebeflüge vorgenommen. Trotz der heiklen Sicherheitslage seien Hunderte Menschen nach Haiti abgeschoben worden.
UN-Menschenrechtskommissar: Rückführung einstellen
Das Thema bewegt inzwischen auch die Spitze der US-Bischofskonferenz. Deren Vorsitzender, Oklahomas Erzbischof Paul Coakley, forderte die Trump-Regierung vor wenigen Tagen auf, Abschiebungen nach Haiti zu unterlassen. In einem Appell bat er darum, „die Gefährdung unschuldiger Menschen zu vermeiden“. Derzeit sei es nicht möglich, eine sichere und geordnete Aufnahme in Haiti zu gewährleisten, so der Geistliche.
Coakley befürchtet, dass die aktuelle Vorgehensweise der USA zu einer Verschärfung der Krise in dem Karibikstaat beitragen könnte. Er schloss seinen Appell mit der Bitte an US-Präsident Donald Trump, „Haitianern, die sich friedlich in den Vereinigten Staaten aufhalten, einen Aufschub der erzwungenen Ausreise zu gewähren“.
Die Vereinten Nationen äußerten sich ähnlich. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte: „Ich fordere die Vereinigten Staaten mit Nachdruck auf, die Rückführung von Menschen an Orte, an denen ihnen irreparabler Schaden zugefügt werden könnte – darunter auch Haiti – unverzüglich einzustellen.“
Die USA argumentieren indes, dass der temporäre Schutzstatus nicht als politisches Asyl gedacht und überdehnt worden sei. Ohnehin scheint Donald Trump für die Anliegen der Haitianer nicht besonders aufgeschlossen zu sein. Im Wahlkampf 2024 hatte er etwa mit unbelegten Behauptungen Stimmung gegen haitianische Einwanderer gemacht. Unter anderem legte er nahe, sie würden Haustiere von US-Bürgern essen. Zahlreiche Berichte in US-Medien über Schicksale der von Abschiebung bedrohten Menschen haben ihn dagegen bisher nicht zum Einlenken bewegt.
So berichtete der „Boston Globe“ kürzlich, dass allein im Bundesstaat Massachusetts mehr als 10.000 erwerbstätige Haitianer betroffen seien. Sie arbeiteten in der Pflege, im Baugewerbe und in der Transportbranche. Das resignierte Fazit des Artikels: „Haitianische Schutzstatus-Inhaber reisen nach Kanada aus – und nehmen ihre in Massachusetts erworbenen Fähigkeiten und Ressourcen mit.“







