Doppelpremiere: Der 25. Gedenktag von 9/11 ist gleichzeitig der erste von New Yorks Bürgermeister und Erzbischof im Amt. Bei einem Gottesdienst gedachten beide gemeinsam der Opfer des islamistischen Terroranschlags.
Mit einem Gedenkgottesdienst am Vortag des 11. Septembers hat das Erzbistum New York an die Opfer und Hinterbliebenen des Terroranschlags vor 25 Jahren erinnert. An der Feier unter der Leitung des neuen New Yorker Erzbischofs Ronald Hicks in der Patricks-Kathedrale nahmen unter anderen Bürgermeister Zohran Mamdani, der katholische frühere US-Präsident Joe Biden sowie die Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochul, teil, wie US-Medien am Donnerstag (Ortszeit) berichteten.
In seiner Predigt sagte Erzbischof Hicks, wohl jeder, der damals schon alt genug war, erinnere sich noch genau an jenen Tag. Er selbst sei damals noch ein junger Priester im Aufbaustudium in Chicago gewesen. „Mitten im Unterricht kam der Dekan herein und unterbrach uns mit der Nachricht. Ich erinnere mich daran, wie meine Kommilitonen und ich wie betäubt dasaßen.“
Der Erzbischof weiter: „Und obwohl ich mich erinnere, den Rest dieses Tages und einen Großteil der folgenden Tage wie gebannt vor dem Fernseher verbracht zu haben, voller Entsetzen und Unglauben, kann ich nicht mal ansatzweise begreifen, wie es für jene gewesen sein muss, die diese schrecklichen Tage in Echtzeit erlebt haben.“
Seitdem werde jedes Jahr der Opfer gedacht, so Hicks; es seien Gedenkstätten errichtet und Hilfsleistungen für Hinterbliebene eingerichtet worden. „Und doch dauert die Trauer auch 25 Jahre später an. Eine Tragödie dieses Ausmaßes verschwindet niemals vollständig. Es gibt noch immer Tränen. Es gibt noch immer Traurigkeit. Es gibt noch immer Fragen“, sagte der Erzbischof. Gleichzeitig habe es immer Hoffnung auf Heilung gegeben, die auch weiter fortbestehe.
„Wir brauchen fortwährenden Dialog“
Der 25. Gedenktag ist für Hicks der erste als New Yorker Erzbischof. Was ihn seit seiner Amtseinführung im Februar immer wieder beeindrucke, sei, dass bei Feiern in der Kathedrale nie nur Katholiken anwesend seien. „Es sind Rabbiner da. Es sind Imame da. Es sind protestantische Geistliche da.“ Alle hörten gemeinsam zu und suchten die Gemeinschaft. Das sei eine der Lehren der vergangenen 25 Jahre: „Wir brauchen fortwährenden Dialog. Wir brauchen Verständnis.“ Diese Aufgabe bedinge Heilung und sei niemals abgeschlossen.
Auch für Bürgermeister Mamdani war es der erste 9/11-Jahrestag im Amt. Der erste Muslim an der Spitze der Stadt war bereits im Vorfeld des Gedenktages vornehmlich aus trump-nahen Kreisen kritisiert worden. Ihm wird vorgeworfen, sich nicht entschieden genug gegen islamistischen Terror zu positionieren.
Vor dem Gedenkgottesdienst äußerte sich Mamdani insbesondere mit Blick auf die katholischen Ersthelfer, die beim Terroranschlag zu Tode kamen. Dem US-Journalisten Christopher Hale sagte er, der katholischen Gemeinschaft der Stadt könne nicht genug gedankt werden. Sie habe „nicht nur geholfen, diese Stadt zu errichten, sondern auch in ihrer dunkelsten Stunde so viel Licht gezeigt, das die New Yorker angetrieben hat weiterzumachen“.
Am Abend wurde das Licht in New York dann erneut sichtbar. 2.977 Drohnen – so viele Menschen verloren bei dem Terroranschlag ihr Leben – zeichneten mit Lichtern die Umrisse der Zwillingstürme des zerstörten World Trade Center in den Himmel.
Text: KNA | Bild: Annika Schmitz/KNA







