Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya am 26. August im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geht die Nothilfe weiter. Einer, der vor Ort hilft, ist Eaknarayan Dhakal von EcoHimal. Seine Organisation unterstützt in Nepal Kinder und Familien im Katastrophengebiet und stattet sie mit dem Nötigsten aus. Im Interview berichtet Dhakal von der schwierigen Situation vor Ort – und einem „Ausmaß von Zerstörung, das sich kaum in Worte fassen lässt“.
Frage: Herr Dhakal, wie stellt sich die Situation im Katastrophengebiet aktuell dar?
Eaknarayan Dhakal: Das Ausmaß der Zerstörung lässt sich kaum in Worte fassen. An einigen Orten wurden Häuser, Straßen, Brücken und die Infrastruktur der Gemeinden von der Flut schlichtweg weggerissen. Die Katastrophe hat nicht nur eine unmittelbare humanitäre Notlage ausgelöst; in einigen Gemeinden hat sie auch weitreichendere Fragen aufgeworfen, wo und wie die Menschen ihr Leben sicher wieder aufbauen können.
Die größte Herausforderung ist derzeit die Erreichbarkeit, viele betroffene Gemeinden sind nach wie vor schwer zu erreichen. In manchen Gebieten kann eine Strecke von etwa 40 Kilometern mehr als einen Tag in Anspruch nehmen. Auch die Kommunikation ist schwierig, was bedeutet, dass wir in einigen abgelegenen Gemeinden immer noch kein vollständiges Bild von der Lage haben.
Die Menschen in den Notunterkünften sind mit schwierigen Bedingungen konfrontiert. Der Zugang zu Strom, sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen gibt weiterhin Anlass zur Sorge. Kinder, Frauen und ältere Menschen benötigen besondere Aufmerksamkeit.

Frage: Was fehlt den Menschen vor Ort gerade am meisten und wie sieht ihre Hilfe aus?
Dhakal: Am dringendsten benötigt werden Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser, warme Kleidung, Medikamente, Brennstoff zum Kochen, Hygiene- und Sanitärartikel sowie Solarlampen und Lademöglichkeiten für Kommunikationsgeräte. Für Kinder muss die Hilfe über Nahrungsmittel und materielle Unterstützung hinausgehen. Wir müssen eine sichere und inklusive Bildung wiederherstellen und verhindern, dass Kinder die Schule abbrechen. Außerdem müssen wir dem psychosozialen Wohlbefinden und dem Kinderschutz Aufmerksamkeit schenken und wichtige Schuleinrichtungen wiederherstellen.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen haben wir bereits vier Lieferungen mit Hilfsgütern an die betroffenen Gemeinden in den drei Distrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading geliefert. Unser Ansatz verlagert sich nun schrittweise von der reinen Nothilfe hin zu einer Kombination aus fortgesetzter Hilfe und frühzeitiger Wiederaufbauarbeit.
Frage: Wie geht es den Kindern, die von der Sturzflut betroffen sind? Wie gehen sie mit dem Erlebten um?
Dhakal: Derzeit gibt es in einigen der Notunterkünfte kaum gesonderte Vorkehrungen für Kinder. Kinder und Erwachsene sind gemeinsam untergebracht und teilen sich die verfügbaren Lebensmittel und sonstigen Hilfsgüter. Dies bedeutet, dass die besonderen Bedürfnisse von Kindern während der unmittelbaren Nothilfe leicht übersehen werden können. Kinder benötigen nicht nur Nahrung, Kleidung und medizinische Versorgung, sondern auch sichere Orte, Schutz, emotionale Unterstützung und Möglichkeiten, wieder am Unterricht teilzunehmen. Uns liegt besonders am Herzen, den Kindern wieder ein Gefühl der Normalität zu vermitteln. Die Wiederherstellung sicherer Lernräume und die Bereitstellung psychosozialer Unterstützung können ein wichtiger erster Schritt sein, um ihnen zu helfen, wieder Selbstvertrauen und Stabilität zu gewinnen.
Die Fragen stellte das Kindermissionswerk | Bild: EcoHimal



