Die katholischen Bischöfe aus Mexiko, Kanada und den USA wollen enger zusammenarbeiten und öfter mit einer Stimme sprechen. Damit das in Zukunft gelingt, haben sich ihre Spitzen in Mexiko versammelt – zum ersten Mal überhaupt.
Politisch knirscht es zwischen Mexiko, Kanada und den USA. Die US-Regierung in Washington erhebt schwere Vorwürfe gegen den südlichen Nachbarn; mit Kanada eskalierte ein Handelskonflikt derart, dass sich beide Seiten nun mit Strafzöllen überziehen.
In dieser Gemengelage haben sich die Spitzen der katholischen Bischofskonferenzen der drei Länder im mexikanischen Cuernavaca zusammengefunden. Wie das örtliche Bistum gegenüber weltkirche.de bestätigte, handelt es sich um das erste offizielle Treffen seiner Art. Neben den Vorsitzenden nehmen jeweils auch mehrere Referenten teil. Insgesamt soll die Begegnung mehrere Tage dauern, ob es zu einer gemeinsamen Abschlusserklärung kommt, ist noch nicht bekannt.
„Wir sind drei sehr verschiedene Länder. Wir sind drei Kirchen, die durch unterschiedliche Geschichte und Realitäten geprägt sind – aber Glauben, Taufe, Eucharistie und Mission teilen“, erklärte Gastgeber Bischof Ramón Castro Castro bei einem Gottesdienst zum Auftakt des Treffens in der zentralmexikanischen Stadt am vergangenen Sonntag. Nordamerika stehe vor großen Herausforderungen, vor allem Mexiko, wo man mit Gewalt, Demagogie, Korruption, Vereinsamung, Säkularisierung, Individualisierung, Materialismus, Polarisierung, Familien in Nöten und junge Menschen auf der Suche nach Hoffnung zu tun habe.
Als größte gemeinsame Herausforderung der nordamerikanischen Kirchen bezeichnete der Vorsitzende der mexikanischen Bischofskonferenz jedoch die Migration. „Lassen wir uns nicht von den Grenzen trennen, wenn das Evangelium uns doch dazu aufruft, uns als Geschwister zu erkennen“, so Castro Castro. Es gebe politische Grenzen, die notwendig seien. Aber die christliche Nächstenliebe kenne keine ‚Ausländer‘. „Der Migrant, der Arme, der Indigene, der junge Mensch, die Familie in Nöten, die Opfer der Gewalt, alle, die Hoffnung oder Glauben verloren haben: Sie alle sind untere Geschwister und alle gehören ins Herz der Kirche“.
Migration dürfe dabei nicht auf Statistiken, staatliche Politik oder wirtschaftliche Verpflichtungen reduziert werden, so Bischof Castro Castro. „Jeder Migrant hat ein Gesicht, eine Geschichte, eine Familie, eine Hoffnung. Leider oft auch viele Wunden.“
Bischof von Brownsville wirbt um Geschlossenheit
Darüber werde man sich in den kommenden Tagen austauschen, heißt es. Nicht wertend, sondern aus pastoraler Verpflichtung heraus. Gesprächsbedarf gäbe es derweil auch über diese Themen hinaus genug. „Heute ist der Welttag der Verschwundenen. In Mexiko gibt es 135.000 Verschwundene. Viele Familien leiden enorm“, so der Bischof von Cuernavaca.
Dass das kein rein mexikanisches Problem ist, machte eine Meldung deutlich, die zu Wochenbeginn durch die mexikanischen Medien ging. Nach Angaben von Sicherheitsminister Omar García Harfuch wurden in der Provinz in Nuevo León drei verdächtige Personen festgenommen, die ein Arsenal von 210 Schusswaffen für die mexikanischen Kartelle transportiert hätten. Die Waffen stammen aus Texas, USA.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum wirft den USA immer wieder vor, zu wenig gegen Waffenschmuggel Richtung Süden zu tun. Die mexikanischen Kartelle sind auch deshalb so mächtig, weil sie durch Milliardeneinnahmen in der Lage sind, sich mit modernsten Waffen aus den USA auszustatten. Die USA wiederum werfen Mexiko vor, zu wenig gegen Drogenschmuggel und illegale Migration in die Gegenrichtung, nach Norden, zu tun.
Aus Kanada ist nun auch Bischof Pierre Goudreault aus Sainte-Anne-de-la-Pocatière angereist. Sein Land befindet sich mitten in einem Handelsstreit mit den USA. Ein Vertreter der US-Bischöfe, die größtenteils ohnehin auf kritische Distanz zur rabiaten Migrationspolitik der Trump-Regierung gegangen sind, rief die Kirche auf dem Kontinent zu Einheit auf. Bischof Daniel Flores aus dem texanischen Bistum Brownsville, zugleich Vizepräsident der US-Bischofskonferenz, warb in Cuernavaca für Geschlossenheit. Es werde „immer dringlicher, dass die katholische Kirche in Amerika mit einer Stimme spricht“.
dr/weltkirche.de mit Material von KNA und dem Bistum Cuernavaca | Bild: dr/weltkirche.de | Kartenmaterial: OpenStreetMap-Beitragende





