Griechisch-orthodoxe Kirche am 14. Juli 2025 im Dorf Taibeh im besetzten Westjordanland (Palästinensische Gebiete). Bild: Andrea Krogmann/KNA

Israelische Siedler gefährden palästinensisches Christendorf/Pfarrer: Zukunft steht auf dem Spiel

Taibeh ist das letzte rein christliche Dorf in den besetzten palästinensischen Gebieten. Doch die anhaltende Gewalt israelischer Siedler macht den Menschen dort zu schaffen. Der Gemeindepfarrer ist verzweifelt.

Text und Bild: Andrea Krogmann (KNA)

Taibeh ist ein kleines Dorf, eines unter vielen im von Israel besetzten Westjordanland. Und wie in allen Ortschaften der Region kommt es immer wieder zu teils in Gewalt ausartenden Konflikten mit israelischen Sicherheitskräften und extremistischen Siedlern. Doch hat Taibeh eine Symbolkraft weit über die Landesgrenzen hinaus: Es gilt als das letzte rein christliche Dorf im Heiligen Land.

Auch Deutschlands Außenminister Johann Wadephul machte bei seinem Besuch im Westjordanland im August 2025 in Taibeh Halt – und zeigte sich erschrocken über die dort herrschende Siedlergewalt gegen die Bevölkerung, die er offen als Terror bezeichnete. „Wir setzen uns als Bundesregierung auf europäischer Ebene für die weitere Sanktionierung gewalttätiger Siedler ein“, betonte der CDU-Politiker damals und forderte Israel gleichzeitig auf, „als Besatzungsmacht und als Rechtsstaat Sicherheit und Ordnung“ durchzusetzen, Straftaten zu verfolgen und die palästinensische Bevölkerung vor den Gewalttätern zu schützen.

Gut ein Jahr später hat sich an der Situation aber wenig geändert. Das Dorf werde weiterhin durch die anhaltende Gewalt der extremistischen Siedler gefährdet, so der Pfarrer von Taibeh, Baschar Fawadleh. „Um diese Gemeinschaften am Leben zu erhalten und in ihrer Heimat zu verwurzeln“, seien Sicherheit und Stabilität wesentlich, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Jüngster Konfliktpunkt sind Berichte über die Vertreibung einer christlichen Familie aus ihrem Neubau durch israelische Siedler. Laut arabischen Medien waren Angriffe und Drohungen der Siedler gegen die Familie derart eskaliert, dass sie ihr gerade bezugsfähig gewordenes Heim sofort wieder aufgaben.

„Dass es einer Familie unmöglich gemacht wird, in ihrem neu erbauten Haus zu leben, geht über einen individuellen Verlust hinaus und wirft umfassendere Fragen zur Zukunft der palästinensisch-christlichen Präsenz auf“, erklärt Fawadleh. Der Sicherheitsdruck, dem Familien in Taibeh und anderen Teilen des Westjordanlands ausgesetzt seien, gehe über direkte Sachschäden hinaus. Die Bereitschaft, in ihren Gemeinden zu bleiben und sich dort niederzulassen, nehme ab, so der Priester. Dies trage zur anhaltenden Abwanderung auch von Christen bei.

Das Haus der Familie war laut den Berichten wiederholt Ziel von Übergriffen geworden. Unter anderem sei eine Gruppe von Siedlern Ende Juli zunächst mit ihren Schafherden auf das Grundstück eingedrungen und später in das Haus. Der Besitzer erklärte, es sei wiederholt zu Sachbeschädigungen und Angriffen gegen ihn und seinen Sohn gekommen. Eine Anzeige bei der israelischen Armee und der Polizei habe bisher nicht zur Strafverfolgung geführt.

Taibeh, das mit dem neutestamentlichen Ephraim identifiziert wird, gilt als der letzte rein christliche Ort im Westjordanland. Seine Georgskirche, deren Geschichte ins 5. Jahrhundert zurückreicht, gilt als eines der ältesten religiösen Wahrzeichen Palästinas. Gegenwärtig leben laut Fawadleh weniger als 1.200 Menschen in Taibeh.

Am 23. Juli erklärte die israelische Armee ein etwa 13 Quadratkilometer großes Gebiet rund um Taibeh zum militärischen Sperrgebiet. Details der Anordnung wurden am 9. August bekannt. Die Anordnung, die bis Juli 2027 gilt, verbietet Nichtanwohnern die Einreise und den Aufenthalt in Taibeh. Ein Armeesprecher erklärte später, dass das Verbot nicht für Palästinenser und Journalisten gelte und eine Eskalation der Gewalt durch Siedler verhindern solle.

Der Schritt sorgte für Kritik aus dem Christendorf. Aus dem Gebiet ein militärisches Sperrgebiet zu machen, schütze Taibeh nicht vor Angriffen durch extremistische israelische Siedler, sagte etwa der Bürgermeister von Taibeh, Suleiman Khoury. Die Abriegelung schade vielmehr den Interessen der Dorfbewohner und ihrer Existenzgrundlage.

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