Häuser mit Flaggen in dem Dorf Narew (Polen) am 15. November 2021. Bild: Kasia Strek/KNA

Polens Bischöfe rügen zunehmende Aggressionen gegen Ukrainer

Lange war in Polen die Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine enorm. Inzwischen erschüttert eine Serie von Übergriffen auf Ukrainer das Land. Auch die Bischofskonferenz ist alarmiert.

Polens katholische Bischöfe verurteilen „zunehmende Aggressionen zwischen Ukrainern und Polen“. All diese Vorfälle widersprächen grundlegend dem Handeln der Kirche, erklärte der Ständige Rat der Bischofskonferenz nach einer Versammlung am Mittwoch in Tschenstochau (Czestochowa). Das gelte unabhängig davon, ob sie einen nationalen Hintergrund hätten oder es sich um Rowdytum handle.

Die Bischofskonferenz habe wiederholt zur Solidarität mit den Hilfsbedürftigen in der Ukraine und zur Versöhnung zwischen beiden Nachbarvölkern aufgerufen, heißt es in der Erklärung. Die Bischöfe seien vollkommen davon überzeugt, dass „die leidvollen Wunden der Geschichte“ heilen könnten und an ihre Stelle gegenseitiger Respekt trete. Sie plädieren für einen „ehrlichen historischen Dialog, damit die dunklen Flecken unserer gemeinsamen Geschichte vollständig aufgeklärt werden“.

Und weiter: „Wir rufen ebenfalls auf, keine nationalistischen Auseinandersetzungen zu schüren.“ Staatliche Stellen sollten derartige Vorfälle unterbinden und sicherstellen, „dass die Gesetze von allen, die sich in unserem Land aufhalten, geachtet werden“.

Serie von Gewaltakten

In Polen gab es in diesem Sommer eine Serie von Gewaltakten gegen Ukrainerinnen und Ukrainer im öffentlichen Raum. Mitte August hatte der bekannte polnische Philosoph und Theologe Michal Heller „das Schweigen meiner Kirche angesichts der anti-ukrainischen Stimmungsmache“ kritisiert. Ihn betrübe sehr, dass diese Stimmung von Politikern geschürt werde, die sich als Katholiken deklarierten, sagte der Templeton-Preisträger dem Magazin „Polityka“. Etwa gleichzeitig verurteilte der Krakauer Kardinal Grzegorz Rys in einem Hirtenbrief die Übergriffe auf Ukrainer in Polen.

Die Bischöfe gehen in ihrer Erklärung nicht auf den eskalierten Geschichtsstreit zwischen beiden Staaten um Kriegsmassaker an Zehntausenden Zivilisten 1943/44 in der heutigen Westukraine ein. Anlass war die Verleihung des Beinamens „Helden der UPA“ an eine Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte durch Präsident Wolodymyr Selenskyj im Mai. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) kämpfte im Zweiten Weltkrieg sowohl gegen Nazi-Deutschland als auch gegen die Rote Armee für die Unabhängigkeit der Ukraine. Sie tötete aber auch Zehntausende polnische Zivilisten.

Text: KNA | Bild: Kasia Strek/KNA

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