Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten im vatikanischen Staatssekretariat, am 6. Mai 2022 in Rom (Italien). Cristian Gennari/Romano Sicilian/KNA

Neuer Papst, neuer Anlauf: Vatikan will zwischen Moskau und Kyjiw vermitteln

Im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist der Vatikan seit Jahren in humanitären Fragen aktiv. Nun zeichnet sich eine weitergehende Rolle als Vermittler zur Beendigung des Krieges ab.

Der Vatikan und Russland haben sich in Moskau über humanitäre und diplomatische Initiativen im Ukraine-Krieg ausgetauscht. Erzbischof Paul Richard Gallagher sagte zu Beginn seines Treffens mit Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag: „Im derzeit schwierigen Klima der internationalen Beziehungen ist Dialog wichtiger denn je, die Welt braucht Diplomatie mehr denn je.“ Es gehe um Frieden.

Lawrow erklärte, Moskau wolle den „vertrauensvollen, respektvollen Dialog“ mit dem Vatikan fortsetzen. So ließen sich hoffentlich positive und umsetzbare Lösungen finden. Neben bilateralen Themen wolle er auch Dinge besprechen, die auf der internationalen Agenda stünden, so der russische Minister.

Es ist der erste Besuch Gallaghers in Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor viereinhalb Jahren. Am Mittwoch will der Vatikan-Diplomat den außenpolitischen Berater von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, Juri Uschakow, treffen. Gallagher hatte vor einem Monat in der Ukraine mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Außenminister Andrij Sybiha gesprochen.

Der Moskauer Politikexperte Iwan Timofejew hält es für unwahrscheinlich, dass der Vatikan in einem so großen Konflikt als vollwertiger Vermittler fungieren wird. Der Vatikan könne aber beim diplomatischen Weg eine Rolle spielen. Denn er verfüge hier über Erfahrung, besonders bei humanitären Angelegenheiten, sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

Gallagher ist bis Freitag in Moskau. Geplant sind auch Treffen mit dem Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij, und der katholischen Gemeinschaft des Landes. Der Kurienerzbischof leitet im vatikanischen Staatssekretariat die Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten und internationalen Organisationen. Zuletzt besuchte er im November 2021 Russland.

Gallaghers letzter bekannter Kontakt mit Lawrow war ein Telefonat im April 2025. Auch damals ging es um den Ukraine-Krieg. Zuvor hatte Lawrow im Oktober 2024 den päpstlichen Sondergesandten für Frieden in der Ukraine, Kardinal Matteo Zuppi, in Moskau empfangen. Zuppi bemüht sich im Auftrag von Papst Leo XIV. besonders um die Heimkehr von Kriegsgefangenen und nach Russland verschleppten ukrainischen Kindern und Jugendlichen.

Text: KNA | Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

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