Trotz des andauernden Krieges sei die Ukraine eine blühende, wenn auch nicht perfekte Demokratie, meint Renovabis-Chef Thomas Schwartz. Er drängt auf weitere Unterstützung durch die EU.
Der Chef des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis, Thomas Schwartz, fordert eine verlässliche europäische Perspektive für die Ukraine. Das Land habe in den vergangenen Jahren wie kaum ein anderes für Werte wie Freiheit, Demokratie und offene Diskussion eingestanden, erklärte Schwartz am Montag in Freising anlässlich des 35. Unabhängigkeitstags der Ukraine. „Ein EU-Beitritt ist deswegen nicht nur eine politische oder wirtschaftliche Frage, sondern wäre ein Signal, dass sich der Einsatz der Ukrainer für diese Werte gelohnt hat.“
Die von Russland im Februar 2022 angegriffene Ukraine kämpfe seither in diesem Krieg nicht nur um ihr Überleben, sondern auch um die europäische Wertegemeinschaft, so Schwartz. Als er in diesem Sommer das Land bereist habe, habe er in den Gesprächen mit den Menschen trotz täglicher Bedrohung, Erschöpfung und schwerer Kriegserfahrungen eine neue Zuversicht spüren können. Viele seien überzeugt, den Krieg nicht zu verlieren. Diese Hoffnung sei angesichts der enormen Belastungen überlebenswichtig.
Besonders beeindruckt zeigte sich der Renovabis-Hauptgeschäftsführer von der Widerstandskraft der ukrainischen Zivilgesellschaft. Selbst unter Raketenbeschuss und im Kriegsalltag nähmen Bürgerinnen und Bürger politische Entscheidungen nicht einfach hin, sondern forderten Korrekturen. Für Schwartz zeigt sich darin eine blühende, wenn auch nicht perfekte Demokratie mit einer wirklich funktionierenden Bürgergesellschaft. Eine solche würde er sich in dieser Form auch in anderen europäischen Ländern wünschen.
Anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstages appelliert Renovabis an Politik, Kirchen und Gesellschaft in Deutschland, dem Land weiter beizustehen. Dazu gehöre es auch, Erzählungen entschieden zu widersprechen, die die Ukraine als einen Teil Russlands sähen. „Die Ukrainerinnen und Ukrainer müssen selbst über ihre Zukunft entscheiden dürfen – so wie andere Völker auch“, sagte Schwartz.
Text: KNA | Bild: Renovabis


