Flagge des Kosovo in Pristina. Bild: dr/weltkirche.de

Erneut Massengrab im Kosovo gefunden

Knapp 30 Jahre nach dem Krieg im Kosovo gelten noch immer Hunderte Menschen als vermisst. Jetzt tauchten mehrere Leichen auf – und mit ihnen neue Vorwürfe gegen den Nachbarn Serbien.

Im Kosovo sind Behörden erneut auf ein Massengrab gestoßen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bis Montagabend vier Leichen geborgen. Sie seien für DNA-Analysen einem forensischen Labor übergeben worden. Es ist der zweite derartige Fund im Nordwesten des Landes binnen einer Woche.

Es wird vermutet, dass es sich bei den Leichen um Opfer des Kosovo-Krieges (1998/99) handelt. Bei dem Konflikt zwischen der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) und serbisch-jugoslawischen Kräften wurden auch viele Zivilisten getötet. Vorige Woche teilten Kosovos Behörden mit, dass es sich bei dem ersten Fund nahe dem Dorf Kalluder mutmaßlich um Überreste von Ärzten, Professoren und Intellektuellen handelt, die 1999 ermordet wurden.

2008 erklärte der Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien. Im Zuge des neuen Leichenfundes wurden abermals Vorwürfe gegen die Regierung in Belgrad laut. Diese arbeite seit fast drei Jahrzehnten daran, ihre „Verbrechen zu vertuschen“, wird Innenminister Xhelal Svecla von kosovarischen Medien zitiert. Die internationale Gemeinschaft müsse den Druck auf Serbiens Regierung erhöhen, um den Verbleib aller Ermordeten zu klären.

Laut der staatlichen Vermisstenkommission gelten 1.591 Personen immer noch als vermisst. Das Thema ist einer der größten Stolpersteine bei dem von der EU unterstützten Normalisierungsprozess zwischen Serbien und Kosovo.

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de

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