Die katholischen Bischöfe der Kirchenprovinz Juba warnen vor einer zunehmenden politischen und humanitären Krise im Südsudan. Vor den für Dezember 2026 geplanten Wahlen rufen sie zu Dialog, Einheit und einem Festhalten an der verfassungsmäßigen Ordnung auf.
Angesichts wachsender politischer Spannungen, wirtschaftlicher Not und anhaltender Gewalt haben die katholischen Bischöfe der Kirchenprovinz Juba die Regierung, Institutionen und Bevölkerung im Südsudan zu entschlossenem Handeln für Frieden und Stabilität aufgerufen. In einem Kommuniqué zum Abschluss ihrer jährlichen Vollversammlung vom 15. bis 17. Juli 2026, das vom Online-Portal Ruru Gene und Radio Maria South Sudan veröffentlicht wurde, betonen die Bischöfe, die bevorstehenden Wahlen am 22. Dezember könnten nur auf der Grundlage von Dialog, gegenseitigem Vertrauen und dem Gemeinwohl stattfinden. Sie verwiesen auf eine „drohende Übergangs- und Verfassungskrise“, die unabhängig davon bestehe, ob die Wahlen wie geplant stattfinden oder nicht. Dass der Wahltermin mit dem Weihnachtsfest zusammenfällt, bezeichneten sie als zusätzliche Herausforderung.
In ihrem Kommuniqué fordern die südsudanesischen Kirchenvertreter alle politischen Akteure auf, das 2018 geschlossene und später erneuerte Friedensabkommen konsequent umzusetzen. Entscheidungen über den weiteren politischen Weg des Landes müssten durch einen inklusiven Dialog und unter Wahrung der verfassungsmäßigen Ordnung getroffen werden, heißt es.
Sorge um politische Zukunft des Landes
Der Südsudan hatte nach einem langjährigen Bürgerkrieg 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erlangt. Seit dem erneuten Ausbruch schwerer innerstaatlicher Konflikte im Jahr 2013 bemüht sich das Land um politische Stabilisierung. Ein Friedensabkommen von 2018 bildete die Grundlage für eine Übergangsregierung und den geplanten Übergang zu demokratischen Wahlen.
Nach Ansicht der Bischöfe der Kirchenprovinz Juba, die das komplette Staatsgebiet des Südsudan abdeckt, belasten die starke Abwertung der Landeswährung und die drastisch gestiegenen Preise für Lebensmittel die Bevölkerung. Zugleich verwiesen die Oberhirten auf die anhaltende Gewalt zwischen bewaffneten Gruppen und Sicherheitskräften sowie auf die anhaltenden Spannungen im Zusammenhang mit dem Vordringen ugandischer Truppen an der Südgrenze des Landes.
Neben den politischen Fragen machen die Bischöfe auf die schwierige humanitäre Situation vieler Menschen im Land aufmerksam. So warnen sie einerseits vor den Folgen schwerer Überschwemmungen in mehreren Regionen – und versichern andererseits jenen Landwirten ihre Nähe, deren Ernte durch langanhaltende Dürreperioden zerstört wurde.
Aufruf zur Einheit
In ihrem Kommuniqué warnen die Bischöfe zugleich vor Spaltung und gesellschaftlicher Polarisierung. Sie riefen die Bevölkerung auf, Gewalt, Hass, Stammesdenken und die Verbreitung von Desinformationen zurückzuweisen. Die Menschen im Südsudan hätten trotz aller Unterschiede ein gemeinsames Schicksal, betonten sie.
Die katholische Kirche wolle das Land weiterhin durch Gebet, moralische Begleitung und konstruktive Zusammenarbeit unterstützen. Eine ausführlichere pastorale Botschaft zu den Wahlen und zur politischen Zukunft des Landes kündigten die Bischöfe für einen späteren Zeitpunkt an. Darin sollen nach ihren Angaben Orientierungshilfen aus einer christlichen Perspektive für die verantwortungsvolle Beteiligung am demokratischen Prozess gegeben werden.
Text: dr/Weltkirche.de mit Material von Ruru Gene, Radio Maria South Sudan und Fides | Bild: Screenshot Radio Maria South Sudan/UCTV


