GIZ - Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Bonn. Bild: dr/weltkirche.de

GIZ will 60 Millionen Euro sparen – Umbau von Strukturen

Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit ist ein großer Player in der Entwicklungszusammenarbeit – aber nicht immer läuft alles rund. Und auch hier muss gespart werden.

Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat einen grundlegenden Umbau angekündigt. Das Unternehmen des Bundes will zentrale Funktionen in Deutschland verschlanken und Organisationsstrukturen straffen. Darüber sollen laut Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel dauerhaft Strukturkosten von 60 Millionen Euro eingespart werden. Die neuen Strukturen sollen ab Mai 2027 greifen.

„Die Rahmenbedingungen unserer Arbeit verschieben sich fundamental“, so Schäfer-Gümbel. Nostalgie sei in Zeiten des weltweiten Umbruchs sowie des Spardrucks keine Option. In Deutschland sollen unter anderem die GIZ-Stabstellen von 19 auf 14 reduziert werden. Personal soll weiter abgebaut werden. Bereits seit 2023 wurden rund 1.850 Stellen gestrichen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Compliance, dem Einhalten von Regeln und Vorgaben. „Transparentes, regelkonformes und integeres Handeln sind für uns zentral“, betonte Schäfer-Gümbel.

Er verwies auf den Skandal im Jemen: Dort hatte es bei Projekten, die vorrangig über lokale Organisationen durchgeführt wurden, systematische Betrugsfälle in zweistelliger Millionenhöhe gegeben. Abrechnungen in Risikoländern werden daher künftig strenger und engmaschiger kontrolliert, auch sind mehr Personalrotationen geplant. Die interne Software-Umstellung und die dadurch vielfach aufgetretenen Probleme beim Auszahlen von Geldern würden umfassend aufgearbeitet, hieß es.

Entwicklungshaushalt sinkt 2027 erneut

Der GIZ-Aufsichtsratsvorsitzende und Entwicklungsstaatssekretär Niels Annen (SPD) bekräftigte, dass die GIZ der erste Partner in der Entwicklungszusammenarbeit bleibe. Denn die GIZ habe in der Vergangenheit viel Vertrauen aufgebaut. Das brauche es in den Ländern vor Ort. Der Fall Jemen mache aber auch deutlich, dass Missbrauch möglich sei und es hier mehr Kontrolle brauche. Ein gewisses Risiko in komplexen Konflikten bleibe. Annen betonte, dass sich Deutschland weiter für eine verlässliche und kontinuierliche Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe einsetze.

Im vergangenen Jahr hat die GIZ mit Partnern nach eigenen Angaben 2,7 Millionen Geflüchtete und Binnenvertriebene sowie 2,4 Millionen Bewohner der aufnehmenden Gemeinden unterstützt. Das Geschäftsvolumen lag im vergangenen Jahr bei rund vier Milliarden Euro. Auftraggeber sind die Bundesregierung, die EU, Regierungen weltweit, internationale Institutionen, Stiftungen und Unternehmen.

Am Montag hatte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) den Haushaltsentwurf für das Jahr 2027 vorgestellt. Darin sind für das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) insgesamt 9,5 Milliarden Euro vorgesehen – rund 500 Millionen weniger als im Jahr 2026 und ein Rückgang um fast 20 Prozent seit dem Jahr 2021.

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de

Mehr aus der Weltkirche

  • „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    Auch in Europa werden bis heute Menschen verkauft und missbraucht, als wären sie eine handelbare Ware. Die rumänische Psychologin Iana Matei geht dagegen vor – und erhielt für ihr Engagement nun eine wichtige Auszeichnung.


  • Die Ware „Mensch“

    Die Ware „Mensch“

    Menschenhandel gilt zu Recht als eines der abscheulichsten Verbrechen unserer Zeit – und es ist zugleich ein Milliardengeschäft. Die Europäische Union schätzt die Profite, die mit der „Ware Mensch“ gemacht werden, auf mehr als 46,9 Milliarden Euro pro Jahr. Und einer erst kürzlich vorgestellten Studie der EU-Kommission zufolge hat der Menschenhandel in der Europäischen Union…


  • Das „System Menschenhandel“

    Das „System Menschenhandel“

    Menschenhandel – ein perfides Verbrechen. Die Täter agieren lautlos, skrupellos und grenzenlos. Ihre Opfer schweigen aus Angst und Scham. Die Profiteure bleiben unerkannt. Das macht Ermittlungen schwierig. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, die Dunkelziffern sind hoch. Anhand des Schicksals einer jungen Rumänin in Deutschland zeigt Inge Bell, wie das unfassbare System Menschenhandel hier und heute…



Weitere Weltkirche-Meldungen: