Blick von der Dachterrasse des Christian Information Centers (CIC) auf die Altstadt von Jerusalem (Israel) am 23. Mai 2023. Andrea Krogmann/KNA

Bericht: Zahl gemeldeter Übergriffe auf Christen in Israel verdoppelt

Christen, die sich durch Jerusalem bewegen, müssen verstärkt damit rechnen, angespuckt, beleidigt oder bedroht zu werden. Die Zahl antichristlicher Zwischenfälle in Israel nimmt weiter zu, wie ein neuer Bericht zeigt.

Von 44 auf 83: Die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf Christen in Israel hat sich im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres fast verdoppelt. In zehn Fällen kam es zu Bedrohungen oder körperlicher Gewalt, wie aus dem aktuellen Vierteljahresbericht des Datenzentrums für Religionsfreiheit (Religious Freedom Data Center) hervorgeht. Dort können Opfer und Zeugen Vorfälle anonym melden. Für das gesamte vergangene Jahr verzeichnete die Organisation israelweit 181 Übergriffe auf Christen, 150 davon in Jerusalem.

„Belästigungen und Angriffe finden zunehmend offen im öffentlichen Raum statt, wobei die Täter kaum zögern“, heißt es. Als Beispiel dient unter anderem ein gewalttätiger Angriff auf eine französische Ordensfrau am Rande der Jerusalemer Altstadt, bei dem die Frau am Kopf verletzt wurde. Unter anderem macht die Organisation Hetze und Desinformation im Internet für den Anstieg der Gewalt verantwortlich.

Bei mehr als der Hälfte der gemeldeten Fälle handelt es sich laut Bericht um solche, bei denen Christen angespuckt wurden. 68 Angriffe ereigneten sich in Jerusalem, die große Mehrheit (46) wie in vorherigen Erfassungszeiträumen in der Jerusalemer Altstadt.

Sichtbarkeit im öffentlichen Raum

Mit acht Zwischenfällen besonders hoch war die Zahl der Übergriffe am sogenannten Jerusalem-Tag, an dem rechte jüdische Gruppen mit einem Flaggenmarsch durch Jerusalem der Annektierung Ostjerusalems im Sechstagekrieg (1967) gedenken. Auch zum jüdischen Wochenfest Schawuot wurden sieben Übergriffe an einem Tag registriert.

In dem Bericht unberücksichtigt blieben den Verfassern zufolge Fälle, bei denen Israelis außerhalb der Landesgrenzen antichristlich agierten. Darunter sind die Zerstörung einer Jesus-Statue und die Schändung einer Statue der Jungfrau Maria im Südlibanon durch israelische Soldaten.

Die Organisation wandte sich nach eigenen Angaben mit dem Angebot einer Kooperation an die Ausbildungsverantwortlichen der Armee. Ein neues Informationsdokument soll Reiseleitern zur Verfügung stehen, die Soldatengruppen durch Jerusalem begleiten.

Die Organisation ruft die Stadtverwaltung von Jerusalem auf, die christliche Präsenz im öffentlichen Raum ähnlich sichtbar zu machen, wie dies durch Plakate, Feiertagsgrüße und Ähnliches für die jüdische Präsenz geschehe. Der anhaltende Ausschluss der christlichen Präsenz aus der öffentlichen Darstellung Jerusalems trage direkt zu feindseligen Äußerungen von Juden gegenüber Christen bei.

Text: KNA | Bild: Andrea Krogmann/KNA

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