Guinea, Sierra Leone und Liberia auf der Karte. Karte: dr/weltkirche.de auf Basis von Natural Earth-Daten

Erstmals Prozess wegen Kinderehe in Sierra Leone

Sierra Leone will ein Zeichen setzen: In dem westafrikanischen Land stehen vier Männer vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, an einer Zwangsverheiratung beteiligt gewesen zu sein. Der Prozess gilt als Meilenstein.

In Sierra Leone wird erstmals ein Fall von Kinderehe vor Gericht verhandelt. Zwei Jahre nach dem Verbot der Ehe mit Minderjährigen stehen vier Männer vor Gericht, die an der Zwangsverheiratung einer 17-Jährigen beteiligt gewesen sein sollen, berichtete die BBC in der Nacht zu Samstag.

Unter den Angeklagten sind demnach der Vater der Jugendlichen sowie der Bräutigam. Er berief sich in der Anhörung auf das veraltete Gesetz über Gewohnheitsehen (Customary Marriage Act) und behauptete den Informationen zufolge, die Zustimmung der Mutter für die Heirat eingeholt zu haben. Er plädierte auf „nicht schuldig“.

Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten mindestens 15 Jahre Haft oder eine Geldstrafe von umgerechnet rund 3.500 Euro – möglicherweise auch beides. Nächster Gerichtstermin ist den Angaben zufolge der 2. Juli.

Kinderehen seit rund zwei Jahren verboten

Genau zwei Jahre zuvor, am 2. Juli 2024, hatte Präsident Julius Maada Bio ein Gesetz unterzeichnet, das Eheschließungen mit Minderjährigen verbietet. Nach Angaben verschiedener Organisationen ist die Zahl der Zwangsehen mit Minderjährigen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die nichtstaatliche Organisation „Girls Not Brides“ schätzt allerdings, das in dem westafrikanischen Land gut ein Drittel (39 Prozent) der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden; bei den Jungen sind es den Angaben zufolge sieben Prozent. Verlässliche Daten gibt es nicht.

Kinderehen sind bis heute überall in Westafrika verbreitet. Nicht nur aus traditionellen und mitunter religiösen Gründen verheiraten viele Familien ihre Töchter früh, sondern auch aus wirtschaftlichen. Mit der Hochzeit ist der Mann für die Versorgung verantwortlich. Gerade in Krisensituationen sehen Familien das als Entlastung an.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind die Folgen gravierend: Mädchen dürfen nicht mehr zur Schule gehen und werden meist früh schwanger. Oft handelt es sich um Risikoschwangerschaften.

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de auf Basis von Natural Earth-Daten

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