In Würzburg haben sich 150 Fachleute zum Austausch über Flüchtlingsschutz und Menschenrechte in Politik und Kirche getroffen. Flüchtlingsbischof Heße warnt bei der Veranstaltung vor zunehmenden nationalen Interessen – und beklagt einen Mangel an Menschlichkeit.
Eine größer werdende Lücke zwischen theoretischen Grundlagen der Flüchtlingsarbeit und ihrer praktischen Umsetzung sieht der Flüchtlingsbischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Heße. Vielerorts sei eine „einseitige Politisierung nationaler Interessen“ statt der Menschenwürde maßgebend, kritisierte er am Dienstag in Würzburg. Heße äußerte sich beim 10. Katholischen Flüchtlingsgipfel.
Anstatt gemeinsame Lösungen für weltweite Herausforderungen zu suchen, werde Verantwortung ausgelagert, so der Erzbischof von Hamburg weiter. So rücke das Ideal einer EU als gemeinsamer Raum für Schutz und Solidarität in den Hintergrund.
Es sei zwar wichtig gewesen, das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) zu reformieren. Allerdings sei danach Ernüchterung eingetreten, da mehr Humanität anscheinend nicht mehr auf der Agenda stehe. Zudem kritisierte Heße einen „dramatischen Rückgang“ internationaler Hilfsgelder. Dadurch verschärfe sich die Lage in den Erstaufnahmeländern.
Heße monierte zudem, dass für Betroffene die Möglichkeit eingeschränkt werde, in einem Drittstaat aufgenommen zu werden. Auch Deutschland habe humanitäre Aufnahmeprogramme bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Bundesregierung wolle irreguläre Migration zurückdrängen, schließe aber zugleich die wenigen sicheren und legalen Fluchtwege.
„Das kann nach meinem Dafürhalten nicht sinnvoll sein“, betonte der Erzbischof. Überdies dürfe ein gutes Ankommen Geflüchteter nicht erschwert werden, etwa durch die Abschaffung der behördenunabhängigen Asylberatung oder einen erschwerten Zugang zu Integrationskursen.
Heße mahnte an, dass menschenrechtliche Standards in der Gesellschaft nicht zur Disposition gestellt werden dürften. Hier brauche es die Stimme der Kirche. Die Geschichte habe gezeigt, dass es gefährlich sei, die Menschenrechte einer Gruppe zu beschneiden. Denn dann drohten bald auch in anderen Bereichen Einschränkungen bis hin zu Rechtsverletzungen.
Die Achtung der Menschenwürde sei Grundlage für jede Gesellschaft, die sich auf Freiheit gründe – und nicht auf Macht. Papst Franziskus habe immer wieder gefordert, Gleichgültigkeit gegenüber Geflüchteten zu überwinden. Auch Papst Leo XIV. stehe in dieser Tradition.
Beim Katholischen Flüchtlingsgipfel beraten rund 150 Praktiker, Fachleute und Ehrenamtliche aus ganz Deutschland über aktuelle Herausforderungen. Nach Angaben von Erzbischof Heße stellte die katholische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr rund 83,3 Millionen Euro für Projekte in der Flüchtlingsarbeit bereit, dafür 36,2 Millionen für Initiativen im Inland und 47,6 Millionen für internationale Projekte. In Deutschland habe man damit mindestens 430.000 Menschen erreicht.
Text: KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA







