Als „Hexen“ gebrandmarkt, verfolgt und oftmals sogar getötet: In über 40 Ländern sind Frauen, denen Hexerei vorgeworfen wird, massiver Gewalt ausgesetzt. Missio Aachen fordert mehr Aufmerksamkeit für diese oft vergessenen Menschenrechtsverletzungen.
In der Nacht auf den 1. Mai wird in vielen Regionen Deutschlands die Walpurgisnacht mit Festen und Bräuchen, die auf überlieferte Hexengeschichten zurückgehen, gefeiert. Das katholische Hilfswerk Missio Aachen nimmt dies zum Anlass, auf die prekäre menschenrechtliche Situation von Frauen in zahlreichen Ländern aufmerksam zu machen. Nach Missio-Zahlen werden auch heute noch in mehr als 40 Ländern, vor allem im Globalen Süden, Menschen bis heute als vermeintliche Hexen verfolgt, gefoltert oder sogar getötet.
„Die Walpurgisnacht erinnert uns auch daran, dass brutale Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Hexereivorwürfen bis heute Realität sind. Das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Schwester Lorena Jenal, Ordensfrau und Projektpartnerin von Missio Aachen, die in Papua-Neuguinea tätig ist. Die katholische Ordensfrau hat in dem Inselstaat ein Schutzzentrum für Frauen aufgebaut, die wegen angeblicher Hexerei verfolgt werden. In den vergangenen Jahren konnte sie gemeinsam mit ihrem Team mehr als 350 Frauen aus den Händen von Folterern retten.
Seit mehreren Jahren veröffentlicht Missio regelmäßig Weltkarten und Informationen zum Thema Hexenwahn. Zuletzt hatten das Hilfswerk und seine Partner Fälle in 46 Ländern dokumentiert, in denen vor allem Frauen Gefahr liefen, aufgrund von Hexerei-Vorwürfen stigmatisiert, verfolgt oder sogar getötet zu werden. Missio Aachen setzt sich nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinen Partnerinnen und Partnern weltweit dafür ein, Betroffene zu schützen und über Ursachen und Folgen dieser Gewalt aufzuklären. Dafür hat das Hilfswerk auch den 10. August zum jährlichen Internationalen Tag gegen Hexenwahn ausgerufen.
Informationsveranstaltungen in Deutschland geplant
In den kommenden Wochen wird Schwester Lorena Jenal gemeinsam mit Missio Aachen in Deutschland unterwegs sein, um über diese Form schwerer Gewalt gegen Frauen zu berichten. Den Auftakt bildet ein Vortrag der gebürtigen Schweizerin im Museum Kulturspeicher am 14. Mai während des bundesweiten Katholikentags in Würzburg. Am darauffolgenden Tag lädt sie gemeinsam mit Experten zudem zu einem historischen Stadtrundgang ein. Die Veranstaltung trägt den Titel „Hexenwahn zwischen Würzburg und Papua“ und zeigt Parallelen zwischen der historischen Verfolgung unschuldiger Frauen und heutigen Menschenrechtsverletzungen auf.
Weitere Veranstaltungen mit Schwester Lorena Jenal sind unter anderem in Ellwangen, Trier, Mainz, Köln und Berlin geplant. Für ihr Engagement wurde die Ordensfrau mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Das Frauenschutzzentrum in Papua-Neuguinea wurde mit Spenden von Missio Aachen aufgebaut.
Ausführliche Informationen zum Thema Hexenwahn und zur Arbeit von Missio Aachen finden sich unter http://www.missio-hilft.de/hexenwahn
Text: weltkirche.de/Missio Aachen | Bild: Missio Aachen





