Ruine einer Kirche am 3. November 2025 am Jakobsweg in Villalval (Spanien). Bild: Andreas Senge/KNA

Auch im einst erzkatholischen Spanien schließen Klöster

Die Geschichte Spaniens ist auch eine Geschichte der Klöster. Doch das Panorama der Gegenwart und Zukunft scheint düster. Pro Jahr lösen sich etwa 20 Niederlassungen unterschiedlichster Orden auf.

Text: Andreas Drouve (KNA) | Symbolbild: Andreas Senge/KNA (Archiv, 2025)

Die Bilder gleichen sich, wie zuletzt in Estella, einem Städtchen am Jakobsweg, der unter anderem durch die Region Navarra in Nordspanien führt. Eine letzte Messe in der Klosterkirche, voller Emotionen. Dann das Adiós für immer.

In Estella verließen die letzten acht Benediktinerinnen ihr Kloster San Benito und machten sich auf den Weg in ihr neues Zuhause, wo sie von ihren Ordensgefährtinnen empfangen wurden: im Kloster San José, 160 Kilometer südwestlich in der Stadt Burgos, Kastilien-León. Der Abschied bedeutete zugleich das Ende der Benediktinerinnen in ganz Navarra, wo sie 800 Jahre lang tätig gewesen waren. Ein tiefer Einschnitt.

Der Strom der Zeit mit seiner neuen Wirklichkeit ist nicht aufzuhalten, selbst im vormals erzkatholischen Spanien nicht. Heute lösen sich im Durchschnitt pro Jahr etwa 20 Niederlassungen unterschiedlichster Orden auf. Die Gemeinschaften sind geschrumpft und überaltert, die Unterhaltungskosten für die teils sehr weitläufigen und renovierungsbedürftigen Häuser hoch. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dann bleibt kein anderer Weg als die Schließung.

Dieses Schicksal könnte nun auch die Dominikanerinnen des Klosters Madre de Dios im andalusischen Sanlúcar de Barrameda treffen, wie die Lokalzeitung „Barramedia“ berichtet. Es wäre das Ende von über einem halben Jahrtausend Geschichte.

Die letzten Nonnen und Mönche finden Plätze in Senioreneinrichtungen oder vereinen sich – wie im Fall der Schwestern aus Estella – mit anderen. In der dortigen Abschiedsmesse formulierte der zuständige Erzbischof von Pamplona, Florencio Roselló, Worte des Trostes.

„Menschlich gesehen könnten wir denken, dass es ein trauriger Moment, ein Ende, ein Verlust ist. Es ist jedoch nichts davon. Das Wort Gottes hat uns heute gerade dazu eingeladen, diese Stunde mit Hoffnung zu betrachten. Wenn Jesus sagt: ‚Meine Stunde ist gekommen‘, spricht er nicht von Misserfolg oder Niederlage. Es ist keine dunkle Stunde, ohne Sinn. Es ist die Stunde, in der der Wille des Vaters erfüllt wird. Es ist auch die Stunde, in der etwas Neues beginnt.“

Klöster prägten die Geschichte Spaniens

Spaniens Geschichte ist auch eine Geschichte der Klöster. Die glorreiche Vergangenheit spiegelt sich vielerorts wider und ist angefüllt mit einer Vielzahl an Episoden. Im Kloster Suso in der Rioja hinterließ ein Benediktinermönch mutmaßlich gegen Ende des 10. Jahrhunderts die „Glosas Emilianenses“, die als die ältesten Zeugnisse der spanischen Sprache gelten.

Im andalusischen Franziskanerkloster La Rábida erhielt Christoph Kolumbus entscheidende Unterstützung vor dem Aufbruch in die Neue Welt 1492. Nach seiner Entdeckung Amerikas soll das erste Gold in die Ausgestaltung des Hauptretabels der Kartause von Miraflores in Burgos geflossen sein.

Und König Karl I. zog sich nach seiner Abdankung 1556 in die Einsamkeit der Extremadura ins Kloster Yuste zurück und verbrachte dort das restliche Leben. Derartige Geschichten ließen sich schier endlos fortsetzen. Im Laufe des Mittelalters spielten Klöster am Jakobsweg bei der Aufnahme und Versorgung von Pilgern entscheidende Rollen, so wie das Kloster San Antón bei Castrojeriz, der spanische Stammsitz der Antoniter, der auch als Aussätzigenspital fungierte und heute in Ruinen liegt.

Bestens erhalten dagegen haben sich Klöster wie Poblet in Katalonien und Guadalupe in der Extremadura, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählen. Selbst im Herzen der Hauptstadt Madrid ziehen die besuchbaren Klöster Descalzas Reales und Encarnación in den Bann.

Bleibt die Frage, was mit aufgegebenen Klöstern geschieht. Vereinzelt folgt die Verwandlung in Kulturzentren, spirituelle Retreats oder Hotels, was riesige Investitionen erfordert. Aus der Kette der staatlichen Parador-Hotels ragen vormalige Klöster wie bei Cangas de Onís in Asturien, Cuenca in Kastilien-La Mancha und León in Kastilien-León heraus. Die Schritte der Gäste verhallen in Kreuzgängen, ein wenig spürt man die kontemplative Aura von einst. Was in Zukunft mit einem verlassenen Kloster wie jenem in Estella geschieht, ist allerdings ungewiss.

Mehr aus der Weltkirche


Weitere Weltkirche-Meldungen: