Auch über 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs leidet Angola weiter unter den Folgen der Gewalt. Papst Leo XIV. sprach das bei seinem Besuch des Landes offen aus. Doch gleichzeitig blickte er über Afrika hinaus.
Papst Leo XIV. hat in Angola um Zuversicht geworben und ob der tragischen Geschichte des Landes zur Versöhnung aufgerufen. Am siebten Tag seiner Afrikareise predigte er am Marienheiligtum von Muxima für mehr Gerechtigkeit in der Welt. Der Ort spielte bis ins späte 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle als Umschlagplatz im Sklavenhandel Richtung Brasilien. Auch würdigte er den Friedensschluss nach dem langjährigen Bürgerkrieg in Angola und schaute gleichzeitig auf noch laufende Konflikte.
Nach einem Rosenkranzgebet mit rund 30.000 begeisterten Zuhörern sprach der Papst in Muxima unweit der angolanischen Hauptstadt Luanda davon, dass dort „seit Jahrhunderten so viele Männer und Frauen gebetet haben, in freudigen Momenten, aber auch in traurigen und sehr schmerzlichen Zeiten der Geschichte dieses Landes“. Christen sollten sich dagegen „unermüdlich dafür einsetzen, dass es niemandem an Liebe mangelt und damit auch nicht an dem, was notwendig ist, um in Würde zu leben und glücklich zu sein: damit die Hungrigen zu essen haben, damit alle Kranken die notwendige Pflege erhalten, damit den Kindern eine angemessene Bildung garantiert wird, damit die Älteren ihre Jahre in Ruhe genießen können“.
Zuvor hatte der Papst in der Retortenstadt Kilamba zur Versöhnung aufgerufen. Auch knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des längsten afrikanischen Bürgerkriegs sei Angola ein verwundetes Land. Es dürste nach Hoffnung, Frieden und Geschwisterlichkeit, so das Kirchenoberhaupt. Der Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 habe das Land gezeichnet und wirke bis heute nach in Zwietracht und Spaltung sowie in der Verschwendung von Ressourcen und Armut.
Die Angolaner rief der Papst auf, sich nicht von Entmutigung lähmen zu lassen. Er sagte: „Brüder und Schwestern, heute gilt es, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken und die Hoffnung der Zukunft zu gestalten. Fürchtet euch nicht davor!“ Die mehr als 100.000 Menschen, die unter bedecktem Himmel an dem Gottesdienst teilnahmen, quittierten die Worte des Papstes mit Beifall.
Zudem warnte Leo XIV. vor Mischformen des Glaubens zwischen Christentum und traditionellen afrikanischen Religionen. Diese gehörten zwar zu den Wurzeln der einheimischen Kultur. „Aber sie bergen gleichzeitig die Gefahr, magische und abergläubische Elemente zu vermischen, die dem geistlichen Weg nicht förderlich sind. Bleibt den Lehren der Kirche treu, vertraut euren Hirten und richtet euren Blick fest auf Jesus“, so der Papst.
Gleichzeitig blickte der Papst auch auf die Situation in anderen Ländern. Ausdrücklich begrüßte Leo die Waffenruhe im Libanon, die auf Druck von US-Präsident Donald Trump zustande gekommen war. Das sei ein Grund zur Hoffnung für das libanesische Volk und für die gesamte Region, so das Kirchenoberhaupt. „Ich ermutige alle, die sich für eine diplomatische Lösung einsetzen, die Friedensgespräche fortzusetzen, um eine dauerhafte Beendigung der Feindseligkeiten im gesamten Nahen Osten zu erreichen.“ Zuvor hatte er die erneuten russischen Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine beklagt und zum Dialog aufgerufen.
Text: KNA | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA


