Karte des Sudan. Bild: dr/openstreetmap/odbdl/Bearbeitung: weltkirche.de

Menschenrechtler werfen Sudans Armee Folter und Misshandlung vor

Kurz vor Beginn des vierten Kriegsjahres im Sudan gehören Gewalt und Brutalität dort zum Alltag vieler Menschen. Dafür verantwortlich ist nach Einschätzung von Menschenrechtlern auch die sudanesische Armee.

Die sudanesische Armee hat nach Einschätzung von Menschenrechtlern Zivilisten misshandelt, gefoltert und willkürlich festgehalten. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hervor. Von der Gewalt betroffen seien vor allem Menschen, die in bisher von den Rapid Support Forces (RSF) kontrollierten Gebieten leben. Die RSF und die Armee führen seit April 2023 einen Krieg um die Vorherrschaft in dem nordostafrikanischen Land.

In den Fokus der Armee geraten seien in den betroffenen Gebieten insbesondere Menschen wegen ihrer politischen und humanitären Arbeit sowie ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Die sudanesischen Streitkräfte werfen ihnen vor, mit den paramilitärischen RSF zu kollaborieren. Mohamed Osman, Sudan-Experte der Menschenrechtsorganisation, sprach von einer Kampagne der Angst und Vergeltung. „Berichte ehemaliger Häftlinge, ihrer Angehörigen und Anwälte zeichnen ein düsteres Bild willkürlicher Übergriffe, die durch ein Klima der Straflosigkeit begünstigt werden.“

Häftlinge seien in Isolationshaft; Familien erhielten nur eingeschränkte Informationen und hätten keinen Zugang zu ihnen. Laut Organisation verschwanden mehrere Menschen spurlos. Mindestens zwei Menschen starben durch Folter und Misshandlung, heißt es weiter.

Gleichwohl gebe es keine juristische Aufarbeitung und keine Verfahren. Auch erhielten Verhaftete keinen juristischen Beistand. Die Behörden hatten die Vorwürfe Anfang April bis auf eine Ausnahme zurückgewiesen.

Human Rights Watch befragte eigenen Angaben zufolge zwischen Juni 2025 und Februar 2026 insgesamt 28 Personen, darunter sieben ehemalige Häftlinge, neun Angehörige von Häftlingen, elf Anwälte und Aktivisten sowie ein Mitglied der Sicherheitskräfte.

Drei Jahre nach Beginn des Krieges gilt der Sudan nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR weiterhin als Schauplatz der größten Vertreibung und schlimmsten humanitären Krise weltweit.

Text: KNA | Bild: dr/openstreetmap/odbdl/Bearbeitung: weltkirche.de

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