Am kommenden Sonntag wird in Peru gewählt. Dass einer der sehr zahlreichen Kandidaten dabei die notwendige Mehrheit erreicht, ist eher unwahrscheinlich. Die endgültige Entscheidung fällt wohl erst bei einer Stichwahl am 7. Juni. Ein Name ragt aus dem zersplitterten Kandidatenfeld jedoch heraus.
Kaum ein südamerikanisches Land ist in den vergangenen Jahren von derart vielen Korruptionsfällen und Amtsenthebungsverfahren erschüttert worden wie Peru. Seit 2016 gab es beinahe im Jahrestakt neue Präsidenten. Gegen nahezu alle wird oder wurde wegen Bestechlichkeit ermittelt. Kurzum: Eine politische Konstante war in Peru zuletzt vor allem die Instabilität im höchsten Staatsamt.
Am Sonntag könnte nun ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden. Es soll das Land in politisch ruhigere Fahrwasser zurücklenken. Seit der Absetzung und Inhaftierung des Gewerkschafters Pedro Castillo, der sich 2022 durch einen versuchten Staatsstreich an der Macht halten wollte, war die Situation noch wackeliger als sonst. Auf Castillo folgte Dina Boluarte, die so niedrige Zustimmungswerte hatte, dass diese kaum mehr messbar waren. Auch sie wurde vorzeitig aus dem Präsidentenamt entfernt. Danach übernahmen jeweils die Parlamentspräsidenten José Jerí und José María Balcázar, letzterer fungiert zurzeit als Übergangspräsident.
Die zahlreichen Skandale der Vergangenheit haben das Vertrauen in die politischen Kräfte schwinden lassen. Entsprechend zersplittert präsentiert sich das Kandidatenfeld. Mit gerade einmal 15 Prozent Zustimmung führt die rechtskonservative Diktatorentochter Keiko Fujimori (50) die Umfragen an.
Fujimori plädiert für eine klassische Law-and-Order-Politik. „Wo Ordnung herrscht, gibt es eine Zukunft“, heißt es in ihrem Wahlprogramm. Und sie kritisiert: „Wir gehören nach wie vor zu den Ländern, die am wenigsten in das öffentliche Gesundheitswesen investieren.“ Dies wolle sie ändern.
Komiker vs. Diktatorentochter?
Laut der Zeitung „Perú 21“ liegt der Komiker Carlos Álvarez (62) aktuell mit acht Prozent Zustimmung auf Rang zwei der Umfragen. Da bisher kein Kandidat wirklich überzeugen konnte, ist der Ausgang völlig offen. Nicht einmal Fujimoris Einzug in die Stichwahl gilt als sicher.
Sie ist allerdings der bekannteste Name im Rennen. Keiko Fujimori ist die Tochter des früheren Machthabers Alberto Fujimori, der 2024 im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Er stand nicht nur für umfassende Privatisierungen, sondern auch für ein besonders dunkles Kapitel in der jüngeren Geschichte Perus. Wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen während seiner Regierungszeit von 1990 bis 2000 wurde er 2009 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Laut dem Urteil war er in außergerichtliche Tötungen, Entführungen, Fälle von Verschwindenlassen und Korruption verwickelt. Kurz vor seinem Tod entließ man ihn aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gefängnis.
Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen sollen zwischen 1996 und 2000 überdies bis zu 270.000 Frauen, darunter viele indigener Herkunft, gegen ihren Willen sterilisiert worden sein. Mit einem „nationalen Programm für reproduktive Gesundheit und Familienplanung“ hatte die Regierung Fujimori die Maßnahme als Mittel zur Armutsbekämpfung deklariert.
Keiko Fujimori selbst wiederum geriet in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Korruptionsermittlungen in die Schlagzeilen. Dies und das dunkle Erbe des Vaters lasten auf ihrem Wahlkampf. Kritiker werfen ihr vor, die während seiner Amtszeit begangenen Verbrechen zu verharmlosen. Dass sie trotz allem die Umfragen anführt, spricht Bände über den Zustand der politischen Institutionen des Landes.
Text: KNA/Tobias Käufer (bearbeitet /dr) | Bild: D. Raiser/infoamazonas.de







