Missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener © Julia Steinbrecht/KNA

Missio Aachen: Waffenruhe muss auch für Südlibanon gelten

Das katholische Hilfswerk Missio Aachen fordert eine umfassende Ausweitung der Waffenruhe zwischen den USA, Israel und Iran auch auf den Libanon – und mahnt den Schutz auch tausender christlicher Familien an.

Die in der Nacht von US-Präsident Donald Trump angekündigte 14-tägige Waffenruhe zwischen den USA, Israel und Iran hat beim Hilfswerk Missio Aachen gemischte Reaktionen ausgelöst. „Wir begrüßen grundsätzlich die angekündigte Waffenruhe von 14 Tagen zwischen den USA, Israel und Iran. Aber sie muss auch für den Südlibanon gelten“, sagte Missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener laut einer Mitteilung der Organisation

5.000 christliche Familien in Not

Anlass von Bingeners Forderung ist die Ankündigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, die Feuerpause im Nahen und Mittleren Osten nicht auf den Südlibanon auszuweiten und die Kampfhandlungen dort fortzusetzen. Der Missio-Präsident kritisiert das scharf: „Nur wenn alle beteiligten Akteure zu einer befristeten Feuerpause bereit sind, kann Raum für humanitäre Hilfe, Schutz der gesamten Zivilbevölkerung und neue politische Gespräche entstehen.“

Die besondere Sorge des Hilfswerks gilt dabei dem Schicksal der noch verbliebenen Bevölkerung im Südlibanon. Allein rund 5.000 christliche Familien harren nach Angaben des Hilfswerks weiter in der Region aus. Lokale Partner von Missio Aachen berichten, wegen der bisher zerstörten Infrastruktur könne die Versorgung nur sehr schwer aufrechterhalten werden.

Appell an Berlin und Brüssel

Missio Aachen richtet daher Forderungen an die deutsche Bundesregierung und die Europäische Union. Beide sollten ihren diplomatischen Einfluss gegenüber den USA, Israel und dem Iran gleichermaßen nutzen, damit die Waffenruhe auch im Südlibanon durchgesetzt werde, heißt es. Darüber hinaus sollten Deutschland und EU Initiativen auf den Weg bringen, um den libanesischen Staat bei der Entwaffnung der Hisbollah zu unterstützen. Pfarrer Bingener fordert dabei ein behutsames Vorgehen. „Diese für die Sicherheit Israels und des Libanons notwendige Entwaffnung darf nicht in eine neue innere Zerreißprobe des Landes führen“, betont er. Nötig seien daher Diplomatie, international abgestimmte Sicherheitsgarantien sowie der klare Wille, den Libanon vor einem weiteren Absturz zu bewahren.

Mit Blick auf mögliche Verhandlungen im Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran ruft Missio-Präsident Bingener dazu auf, Israels nördlichen Nachbarn nicht zu vergessen. „Wer Frieden im Nahen Osten will, darf den Südlibanon nicht ausklammern. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt alles daransetzen, dass aus einer begrenzten Feuerpause ein umfassender Prozess der Deeskalation wird.“

Bis kurz vor der Waffenruhe-Ankündigung hatte US-Präsident Trump noch auf einer seiner Internetseiten mit der Auslöschung der iranischen Zivilisation gedroht. Papst Leo XIV., die US-Bischöfe und UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hatten diese Drohung aufs Schärfste kritisiert.

Text: dr/weltkirche.de mit Material von Missio Aachen | Bild: Julia Steinbrecht/KNA

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