Pakistan wirft den Taliban vor, islamistischen Terrorgruppen Schutz zu gewähren, die im Grenzgebiet Anschläge verüben. Seit Monaten stocken die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den beiden Nachbarn.
Pakistans Luftwaffe hat afghanische Großstädte wie Kabul und Kandahar bombardiert und Berichten zufolge Militärstützpunkte, Kommandozentralen und Munitionsdepots zerstört. Die afghanische Taliban-Regierung bestätigte die Angriffe.
In beiden Ländern gab es überparteilich nationale Solidarität. In Pakistan bekundeten am Freitag Präsident Zardari, Premierminister Shehbaz Sharif und auch die oppositionelle PTI ihre Unterstützung des Militärs bei dem „offenen Krieg“ gegen Afghanistan zur Verteidigung der territorialen Integrität, wie pakistanische Medien berichteten.
Afghanische Politiker verurteilten Pakistans Offensive „Ghazab lil-Haq“ (Gerechter Zorn) scharf. Ex-Präsident Hamid Karzai sagte dem Nachrichtenportal Pajhwok Afghan News, die Afghanen verteidigten ihr Land geeint und mutig. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul töteten die Streitkräfte des „Islamischen Emirats Afghanistan“ bei Vergeltungsschlägen gegen pakistanische Stellungen entlang der „Durand-Linie“ 55 pakistanische Soldaten. 15 Außenposten der pakistanischen Armee sollen eingenommen worden sein.
Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif beschuldigte unterdessen die Taliban, Afghanistan zu einer „Kolonie Indiens“ gemacht zu haben und als Stellvertreter für den Export von Terrorismus nach Pakistan zu fungieren.
Grenze teilt Stammesgebiet der Paschtunen
Die Zusammenstöße brachten Berichten zufolge die Rückführung Tausender afghanischer Flüchtlinge zum Stocken, die am Grenzübergang Torkham auf die Rückkehr in ihr Land warteten. Berichten zufolge wurden sie in ein Auffanglager zurückgeschickt, da die Lage an der Grenze weiterhin instabil ist.
Hintergrund der seit Monaten eskalierenden Spannungen zwischen den beiden Ländern ist Pakistans Vorwurf, die Führung der militanten Gruppe „Tehreek-e-Taliban Pakistan“ (TTP) und viele ihrer Kämpfer seien in Afghanistan stationiert und griffen von dort aus immer wieder Pakistan an. Die Führung in Kabul weist dies entschieden zurück und wirft ihrerseits Pakistan vor, Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu beherbergen. Das dementiert wiederum Pakistan. Seit November stocken die von Katar und der Türkei vermittelten Waffenstillstandsverhandlungen. Seitdem haben Angriffe von Aufständischen auf Pakistan zugenommen.
Die 2.500 Kilometer lange Durand-Linie war 1893 zwischen dem britischen Diplomaten Mortimer Durand und dem Emir von Afghanistan als internationale Grenze zwischen dem Emirat Afghanistan und Britisch-Indien festgelegt worden. Nach der Gründung Pakistans 1947 übernahm der neue Staat diese Grenze, während Afghanistan sie nicht akzeptierte. Die Grenze teilt das Stammesgebiet der Paschtunen. Die sunnitisch-islamischen Paschtunen sind die größte ethnische Gruppe in Afghanistan und eine Minderheit in Pakistan.
Text: KNA | Symbolbild: sharafmaksumov/stock.adobe.com







