Beachtung erhält er kaum: der seit drei Jahrzehnten andauernde Krieg im Ostkongo. Dabei ist das Leid enorm. Neben fehlender Versorgung ist sexualisierte Gewalt eine häufige Kriegswaffe, kritisiert Denis Mukwege.
Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger aus dem Ostkongo, hat Doppelstandards beim Umgang mit Krisen angeprangert. Nach dem Besuch der Münchener Sicherheitskonferenz sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der „taz“: „Man hat das Gefühl, manche Krise und manche Gebiete sind wichtiger als andere. Aber es gibt keine Hierarchie des Leids.“ Mukwege kritisierte die mangelnde internationale Beachtung des Krieges im Kongo. Das Land leide seit drei Jahrzehnten. Der Krieg habe in dieser Zeit mehr Opfer als alle anderen Kriege zusammen gefordert.
Aussagen von US-Präsident Donald Trump, den Krieg beendet zu haben, bezeichnete der Gynäkologe als beunruhigend. „Es ist, als ob Worte ihren Sinn verlieren; man kann sagen, was man will, und es für wahr halten“, so Mukwege. Beispielsweise habe es am Tag nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen Kongo und Ruanda am 4. Dezember einen Angriff auf die Stadt Uvira mit Hunderten Toten gegeben. Auch wisse man nicht, ob es sich um einen richtigen Waffenstillstand oder bloß eine weitere Feuerpause handele.
Mukwege kritisierte auch den Umgang Europas mit Ruanda. Die im Ostkongo agierende Rebellengruppe M23, eine der Kriegsparteien, wird von Ruanda unterstützt. Diejenigen, die für das Töten verantwortlich seien, würden in Europa als Entwicklungsmodell unterstützt, so Mukwege. „Es ist traurig, Leuten den roten Teppich auszurollen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.“
Um Frieden in der Region zu schaffen, forderte Mukwege nicht bloß bilaterale Abkommen, sondern eine internationale Friedenskonferenz. Dafür solle das Rahmenabkommen von Addis Abeba von 2013 zu neuem Leben erweckt und erweitert werden. Neben elf afrikanischen Ländern in der Region bezieht es die Zivilgesellschaft, große Bergbaufirmen mit Interessen im Kongo und kongolesische Unternehmen mit ein. „Sie alle müssen sich an einen Tisch setzen und miteinander reden, denn dies ist ein Wirtschaftskrieg“, sagte Mukwege.
Der 70-jährige Gynäkologe gründete 1999 das Panzi Hospital in der Stadt Bukavu. Dort werden auch Frauen nach Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt behandelt. Die Zahl der Opfer ist laut Mukwege in jüngster Zeit stark angestiegen. „Kinder werden gezielt vergewaltigt, das zeigt sich an einem Anstieg von Schwangerschaften bei Minderjährigen“, so der Gynäkologe.
Text: KNA | Symbolbild: Canva







