Frau läuft durch Sandsturm in Äthiopien. Bild: Tycho Schildbach/KNA

Äthiopien: Krise in Tigray hält an

Auch fast sechs Jahre nach dem Abkommen von Pretoria hält die humanitäre Notlage in der äthiopischen Region Tigray an. Der Bischof von Adigrat sieht Defizite bei der Umsetzung der Vereinbarung.

Mit einem Brandbrief an den Präsidenten der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, fordert die Übergangsregierung von Tigray „sofortige Maßnahmen, um einen bevorstehenden Krieg zu verhindern“. Wie der Missionspressedienst Fides und Radio France berichten, warnt die Übergangsregierung vor den Auswirkungen eines neuen Konflikts. Diese wären katastrophal und irreversibel, hätten gar das Potenzial, die Region in einen größeren Konflikt zu stürzen.

Im Westen des Landes, in der abgelegenen Region Tsemlet, war es in den letzten Tagen zu bewaffneten Zusammenstößen gekommen, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt hatten.

Gegenüber Fides bestätigte der Bischof der Eparchie Adigrat, Tesfaselassie Medhin, die anhaltende schweren Krise im Norden Äthiopiens. Nach Angaben der Afrikanischen Union hat der Konflikt und die entstandene humanitäre Krise bislang mindestens 600.000 Opfer gefordert und zum Zusammenbruch der Sozial-, Gesundheits- und Bildungsdienste geführt.

„Seit sechs Jahren verbessert sich die Lage der Binnenflüchtlinge nicht, sondern verschlechtert sich zunehmend“, bekräftigt Bischof Medhin. Die Lage ändere sich auch deshalb nicht, weil das Pretoria-Abkommen vom 2. November 2022, das die dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten zwischen der äthiopischen Regierung und der ‚Tigray People’s Liberation Front‘ (TPLF) vorsieht, aus Sicht des Bischofs nicht umgesetzt wird. Dies sei aber ein Schlüsselelement für die Rückkehr der Binnenvertriebenen. Medhin forderte den Druck auf die Unterzeichner und Beobachter zu erhöhen, damit das Abkommen vollständig umgesetzt werden kann.

Mit Information von Fides / Bild: Tycho Schildbach/KNA

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