Im Norden von Äthiopien sind erneut Kämpfe aufgeflammt, die das Land in einen weiteren Krieg stürzen könnten. Das Hilfswerk Missio München erreicht derzeit in der Krisenregion keine Projektpartner.
Das internationale katholische Hilfswerk Missio München sorgt sich um die Menschen im Norden des afrikanischen Binnenstaats Äthiopien. Dort ist in einer Krisenregion ein alter Konflikt wieder neu entbrannt. „Wir können unsere Projektpartnerinnen und Projektpartner in Tigray momentan weder per E-Mail noch telefonisch erreichen“, erklärte Missio-Präsident Wolfgang Huber am Mittwoch in München. Die wenigen Informationen, die sie erreichten, seien jedoch äußerst besorgniserregend.
„Was wir so gut wie sicher sagen können: Es herrscht großes Leid und wir müssen befürchten, dass es bereits viele Todesopfer gegeben hat“, sagte Huber. Die Hauptstadt Addis Abeba sei bisher von den Kämpfen weitgehend verschont geblieben. Doch dort seien in den vergangenen Wochen verstärkt Menschen eingetroffen, die vor den Kämpfen aus den Krisengebieten fliehen mussten. Sie lebten oft völlig mittellos auf der Straße und bräuchten dringend Hilfe. Die Informationen stammten von katholischen Ordensschwestern, mit denen Missio zusammenarbeitet. Aus Sicherheitsgründen möchten sie nicht namentlich genannt werden.
Es sei eine Tragödie, dass Äthiopien wieder auf einen Krieg zusteuere, nachdem die Menschen sich noch nicht annähernd von den früheren Auseinandersetzungen hätten erholen können, so der Missio-Chef. Die schweren Zerstörungen des vorigen Kriegs seien zudem lange noch nicht beseitigt worden. Das Hilfswerk wolle alles tun, um seinen Partnern in dem Land beizustehen. „Für den Moment bitten wir um das Gebet und appellieren an alle Entscheidungsträger, zum Frieden zurückzukehren“, so Huber.
Ende September hatten sich die Tigray People’s Liberation Front (TPLF), die Fano-Milizen aus Amhara und die Oromo Liberation Army (OLA), die früher teilweise gegeneinander kämpften oder unterschiedliche politische Ziele verfolgten, gemeinsam mit weiteren bewaffneten Gruppen zu einem neuen Bündnis zusammengeschlossen. Dieses erklärte, die Regierung von Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed absetzen und eine Übergangsregierung schaffen zu wollen.
Die TPLF und die mit ihr verbundenen Gruppen haben den Angaben zufolge die Kontrolle über mehrere Flughäfen in Tigray übernommen und sind auch in Richtung der angrenzenden Regionen Amhara und Afar vorgedrungen. Regierungstruppen und ihre Verbündeten haben mittlerweile Alamata, eine wichtige Stadt im Süden Tigrays, zurückerobert. Der Flughafen von Mekelle (Tigray) ist blockiert. Äthiopien wird im Jahr 2027 Beispielland von Missio im „Monat der Weltmission“ sein.
Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de auf Grundlage von Natural Earth-Daten






