Sankt Gertrudkirche Altenwerder am 6. September 2023 in Hamburg. Hinter dem Kirchturm ist ein Windrad zu sehen. Bild: Michael Althaus/KNA

Ökumenisches Bündnis warnt vor Ausbremsen der Energiewende

Der Bundestag befasst sich mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Kirchliche Verbände, Ordensgemeinschaften und Hilfswerke befürchten, dass damit die Abhängigkeit von fossilen Energien festgeschrieben werde. Sie drängen zum Handeln.

Ein Bündnis aus kirchlichen Verbänden, Ordensgemeinschaften, Hilfswerken und Landeskirchen hat anlässlich der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für mehr Klimaschutz geworben. In einem am Freitag verbreiteten Appell äußern die Unterzeichner ihre Sorge, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien länger festgeschrieben und der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter ausgebremst wird.

Anlass für den „Ökumenischen Appell für eine gerechte Klima- und Energiepolitik“ ist die geplante Anhörung zum Gesetzentwurf im Wirtschaftsausschuss des Bundestags in der kommenden Woche.

Zu den Unterzeichnern gehören das katholische Hilfswerk Misereor, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Katholische Verband für die Menschen im ländlichen Raum (KLB), die Deutsche Ordensobernkonferenz, der Familienbund der Katholiken, das Umweltbüro Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und evangelische Landeskirchen.

Unterstützt wird der Aufruf auch von Einzelpersönlichkeiten der beiden Kirchen, darunter die evangelische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Kühnbaum-Schmidt betonte, die vergangenen Monate hätten erneut gezeigt, wie spürbar die Folgen der Klimaveränderungen bereits heute seien. Besonders seien die Menschen im globalen Süden betroffen. „Was wir jetzt unterlassen, belastet kommende Generationen.“

Stetter-Karp sagte, es sei ein richtungsweisender Schritt, dass die Bundesregierung einen Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas vorgelegt habe. Gelder flössen in lokale Wertschöpfung anstatt in teure fossile Importe. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzpaket gefährdeten den Weg. Wenn Anreize für Investitionen sinken, drohe die Energiewende ausgebremst zu werden.

Aufruf zum Schutz des Gemeinsames Haus

In dem Appell fordern die Unterzeichnenden die Bundesregierung und den Bundestag auf, den Ausbau von Wind- und Solarenergie konsequent voranzutreiben, den Ausstieg aus fossilen Energien verbindlich abzusichern und die Energiewende sozial gerecht zu gestalten. Statt neuer fossiler Abhängigkeiten brauche Deutschland verlässliche politische Rahmenbedingungen für Klimaschutz, Investitionen und Versorgungssicherheit. Die Unterstützerinnen und Unterstützer appellieren an die Abgeordneten, die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzausbaupaket so zu gestalten, dass sie den Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem beschleunigen und nicht ausbremsen.

Das Evangelium fordere Christinnen und Christen dazu auf, sich für Solidarität und soziales Engagement für die Mitmenschen einzusetzen und die Schöpfung zu bewahren, heißt es weiter im Text. Dies gelte besonders auch für die am stärksten von der Klimakrise betroffenen Menschen im Globalen Süden wie auch im Globalen Norden. Die aktuellen politischen Entscheidungen stünden dem entgegen und zudem im Widerspruch zum völkerrechtlich bindenden Pariser Klimaabkommen. Die Schöpfung sei uns anvertraut, „– nicht zur Ausbeutung, sondern zur Fürsorge und Hoffnung auf eine lebensfreundlichere, menschlichere und gerechtere Version dieser Welt“.

Der Familienbund der Katholiken erklärte, eine Abschwächung klimapolitischer Ziele, Verzögerungen beim Ausbau erneuerbarer Energien und Festhalten an fossilen Energieträgern gefährdeten nicht nur die Zukunft, sondern belasteten schon heute den sozialen Frieden. Echter und familiengerechter Klimaschutz sei eine Frage der sozialen Fairness und Ausdruck von Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung.

Der Vorsitzende der Deutschen Ordensoberenkonferenz, Br. Andreas Murk OFM Conv., stellte den Appell in den Kontext des 800. Todestags des Hl. Franziskus von Assisi, der als Leitfigur einer ganzheitlichen Ökologie gilt. „Gerade mit Blick auf künftige Generationen und die Menschen im Globalen Süden tragen wir Verantwortung für Gottes Schöpfung und für die Menschen, die in ihr leben“, so der Ordensmann. Wie Franziskus – etwa in seinem Sonnengesang – dazu aufrufe, als Schwestern und Brüder im gemeinsamen Haus der Schöpfung verantwortlich miteinander umzugehen, müsse man dies auch heute tun und in konkretes – auch politisches – Handeln übersetzen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz habe entsprechende Weichen gestellt; die geplanten Reformen gefährdeten diesen Weg jedoch.



Text: dr/weltkirche.de mit Material der KNA | Bild: Michael Althaus/KNA

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