Bab al-Mandab Karte Bild: dr/weltkirche.de auf Grundlage von Natural Earth-Daten

Konflikte, Hunger und El Niño: Somalia droht neue Katastrophe

Schon seit Jahren leiden die Menschen in Somalia unter Krieg und Hunger. Nun könnte das drohende Wetterphänomen El Niño die Situation noch weiter zuspitzen. Einen leisen Funken Hoffnung gibt es jedoch noch.

Andauernde Konflikte, Fluchtbewegung sowie ein anstehendes Klimaphänomen könnten Somalia nach Einschätzung von Helfern in eine neue Katastrophe stürzen. Das kriegsgeschwächte Land am Horn von Afrika droht, einem Super-El Niño mit historisch heftigen Regenfällen zum Opfer zu fallen, teilten Misereor und Care Deutschland am Donnerstag auf Anfrage mit. Schon jetzt ist die Ernährungssituation deutlich schlechter als im Vorjahr, wie Datenanalysen zeigen.

„Die Projektarbeit unserer Partnerorganisationen wird durch die sich verschärfende Gewalt im Land beeinträchtigt“, sagte Misereor-Länderreferent Martin Gottsacker der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Eine Lösung des gewaltsamen Konflikts ist nicht in Sicht.“

Darüber hinaus litten die Einwohner aufgrund anhaltender Dürre unter steigenden Preisen für Nahrung. Viele könnten sich eine ausreichende Menge an Lebensmitteln nicht mehr leisten und seien deshalb mangelernährt. Zudem drohten in den nächsten Monaten schwerwiegende Folgen und Notsituationen durch die Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño.

Nach teils jahrelanger, durch den Klimawandel verschärfter Dürre drohten jetzt extreme Niederschläge, warnte Care-Mitarbeiterin Sarah Easter. Das könne die Existenz von Abertausenden Familien vernichten.

Keine Lösung in Sicht

Dabei ist die Ernährungssituation jetzt schon verheerender als im vergangenen Jahr. Laut der Initiative Integrated Food Security Classification (IPC) waren zwischen Juli und September rund 5,1 Millionen Menschen von einer Ernährungskrise oder schlimmeren Lage betroffen, 50 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Bis Ende des Jahres könne ihre Zahl auf 5,4 Millionen steigen.

Easter warnte vor einer weiteren Streichung von Geldern für humanitäre Hilfe. „Anstatt, dass wir jetzt schon Maßnahmen ergreifen, Essen einlagern, Medikamente besorgen, Evakuierungswege definieren, passiert jetzt exakt das Gegenteil“, beklagte Easter. „Alles wird geschlossen, alles wird gestoppt aufgrund der Kürzungen.“

Die Folgen seien jetzt schon zu sehen, auch in der Hauptstadt Mogadischu, sagte die Care-Mitarbeiterin der KNA. In den zahlreichen Vertriebenen-Camps sei die Hilfe seit Mai praktisch eingestellt worden – obwohl der Zustrom angesichts von Gewalt und Dürre weiter zunehme. Im ganzen Land drohen zudem laut Care 600 Gesundheitsstationen zu schließen. Diese Stationen seien oft die ersten Anlaufstellen für Menschen in Not.

Der Chef des Norwegischen Flüchtlingsrats, Jan Egeland, hofft unterdessen, dass eine erneute große Hungersnot in Somalia noch abgewendet werden kann. Investitionen in die Entwicklungshilfe vor Ort zeigten Wirkung „in der Landwirtschaft, bei der Gewinnung und Speicherung von Wasser und beim Hochwasserschutz“, sagte Egeland dem „Spiegel“. „Viele Gemeinden sind heute widerstandsfähiger.“ Dennoch drohten diese Fortschritte durch Mittelkürzungen wieder rückgängig gemacht zu werden.

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de auf Grundlage von Natural Earth-Daten

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