Ähren auf einem Weizenfeld. Bild: dr/weltkirche.de

UN-Experten: Weitergabe von Saatgut darf nicht bestraft werden

Landwirtschaft in Ländern des Globalen Südens ist ein Knochenjob: Der Klimawandel bringt Überschwemmungen oder trocknet Böden aus. Bewässerungssysteme sind Luxus. Doch noch etwas belastet zunehmend: Zugang zu Saatgut.

Wenn Bauern Saatgut aufbewahren oder teilen, dürfen sie dafür nach Ansicht von UN-Experten nicht strafrechtlich belangt werden. Das hat am Mittwoch die UN-Arbeitsgruppe für die Rechte von Kleinbauern gefordert. Grund ist, dass in einigen Ländern die Weitergabe von Saatgut mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet wird.

Beispielsweise würden Gesetze zum Sortenschutz Landwirte bestrafen, die mit Saatgut geschützter Sorten von Unternehmen handeln. Auch erlaubten Zertifizierungsvorschriften nur den Verkauf oder Tausch von registriertem Saatgut. Bäuerliche Sorten, die bewusst vielfältig sind und sich ständig anpassen, erfüllten die Standards für industrielles Saatgut nicht. Kleinbauern, die mit ihrem eigenen traditionellen Saatgut handeln, würden dadurch zu Händlern von „gefälschtem“ Saatgut.

Besonders betroffen seien Frauen als Hauptverwalterinnen des Saatguts. Sie wählten lokale Sorten aus, passten sie an und stellten sie zur Verfügung. So könnten sie ihre Familien vor Verschuldung durch zugekauftes Saatgut und teure Betriebsmittel schützen. Verbote untergrüben deshalb ihr Einkommen und ihre Autonomie bei der Lebensmittelversorgung.

„Das Aufbewahren und Weitergeben von Saatgut gehören zu den ältesten landwirtschaftlichen Praktiken der Menschheit und sind der Grund dafür, dass Nutzpflanzen auch heute noch Dürren, Überschwemmungen und Krankheiten standhalten können“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Shalmali Guttal. Diese Praktiken zu kriminalisieren, sei inakzeptabel und kontraproduktiv.

Laut Arbeitsgruppe beruht fast die gesamte weltweite Nahrungsmittelproduktion auf Saatgut; traditionelle Systeme in vielen Ländern lieferten 70 bis 90 Prozent des ausgebrachten Saatguts.

„Traditionelle Saatgutsysteme sollten gewürdigt und nicht strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Guttal. „Indem sie ihr Recht auf Saatgut wahrnehmen, ernähren Kleinbauern die Welt, schützen die Natur und finden nachhaltige Wege aus der Klimakrise.“

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de

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