Der Ausschnitt eines Kirchenfensters zeigt den heiligen Franz von Assisi am 11. September 2017 in New York. Bild: Gregory A. Shemitz/CNS photo/KNA

Franz von Assisi – Patron der Umwelt und radikaler Heiliger mit Ecken und Kanten

Franz von Assisi ist ein unbequemer Heiliger. Völlige Armut bis zur Bettelei, Gehorsam, absolute Hingabe an Gott. Von Anfang an verlangte er seinen Anhängern viel ab. Doch Millionen verehren ihn auch 800 Jahre später.

Text: Sabine Kleyboldt/KNA | Bild: Gregory A. Shemitz/CNS photo/KNA

Dem reichen Vater die Kleider vor die Füße werfen, predigend und bettelnd durch die Lande ziehen, für Arme und Aussätzige sorgen, mitten im Kreuzzug vor den Sultan treten: Franz von Assisi machte für seinen Glauben keine halben Sachen. 800 Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 boomt sein Geburts- und Sterbeort in Mittelitalien. Franziskus bleibt eine der populärsten Symbolfiguren für Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschutz – beileibe nicht nur für Christen.

Das „Time Magazine“ machte Francesco Giovanni Pietro di Bertone, um 1182 als Sohn eines Tuchhändlers geboren, zur Person des zweiten Jahrtausends – vor Größen wie Michelangelo, Shakespeare, Mozart. Das Schöpfungs-Loblied „Sonnengesang“ dichtete der Ordensgründer am Ende seines nur etwa 44-jährigen Lebens.

1224 sollen sich bei ihm die Stigmata, also die Wundmale Christi, gezeigt haben. Kaum zwei Jahre nach seinem Tod wurde der Schutzpatron der Tiere und der Natur vom Papst heiliggesprochen.

Für den Theologen Markus Hofer lässt sich der „Hofnarr Gottes“ in keine Schublade stecken. Franziskus „eckt an und reißt in seinen Extremen mit“, schreibt er in seiner Biografie. „Bittere Armut trifft auf überschwänglich-naive Fröhlichkeit, harte Ablehnung auf bedingungslose Anhängerschaft.“

Mit Anfang 20 suchte Francesco noch Ruhm als Ritter. Doch stoppten ihn Krankheit und Gefangenschaft im Städtekrieg mit Perugia. 1205 wollte er dem Aufruf des Papstes zum Kreuzzug folgen, aber eine Traumvision ließ ihn umkehren; ein quälender Wandlungsprozess begann.

Beim Gebet im Kirchlein San Damiano schien Christus ihn aufzufordern, seine „verfallene Kirche“ wieder aufzubauen. Diesen Auftrag ging der Mann mit der eher schwachen Konstitution beherzt an – sowohl durch die Restaurierung maroder Kapellen als auch im übertragenen Sinn zugunsten der damals angeschlagenen Institution Kirche.

Zugleich war er zeitlebens ein Meister der Inszenierung. Nach dem spektakulären Showdown auf dem Dorfplatz in Assisi, bei dem er dem Vater seine Gewänder und symbolisch sein Erbe vor die Füße warf, kümmerte er sich als verlumpter Aussteiger um Arme und Leprakranke. Bald schlossen sich dem inspirierenden Prediger die ersten Gefährten an. Sein ansteckender Enthusiasmus für Christus und die Vision von Liebe, Frieden und Brüderlichkeit wogen Schmähungen und Entbehrungen auf.

Pionier des interreligiösen Dialogs

Als die Bewegung sich ausdehnte, musste ein Platz in der Kirchenverfassung her – auch, weil Reform-Bewegungen im 13. Jahrhundert schnell ins Fadenkreuz der Inquisition gerieten. In Rom gelang es Franziskus, den Papst zu gewinnen, der die Lebensform der Brüder zunächst mündlich, später offiziell bestätigte.

Es war nicht Franziskus‘ Ziel, einen Orden zu gründen, dessen Leitung er auch 1220 weitergab; und doch taugt er nicht als Kirchenreformer im modernen Sinne, denn er blieb der Institution treu.

Fast revolutionär war jedoch sein Naturverständnis, seine grundsätzliche „Ehrfurcht vor dem Leben“. Doch anders, als in Filmen und Büchern erzählt, war auch hier an Franz von Assisi nichts Romantisches.

Manche verehren ihn auch als Pionier des interreligiösen Dialogs. Im Herbst 1219 wollte er bei Sultan Al-Malik al-Kamil im Kreuzzug vermitteln. Der Sultan soll den Ordensmann im Lager der Sarazenen im ägyptischen Nildelta von Damiette mehrere Tage angehört haben; wohl ohne greifbares Ergebnis.

Spätere Erzählungen etwa über die heimliche Bekehrung des Sultans sind Legenden, dennoch ist das Ereignis bemerkenswert. Auf den berühmten Fresken der Franziskus-Basilika in Assisis Oberstadt tritt er dem muslimischen Herrscher mit Respekt und „auf Augenhöhe“ entgegen, beileibe nicht Usus der Zeit.

Franziskus‘ Tod sollte seine letzte Inszenierung werden: In der Portiuncula-Kapelle, über der heute die Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisis Unterstadt aufragt, wollte er nackt auf dem nackten Boden sterben, bestreut mit Asche als Symbol der Vergänglichkeit. Der Erblindete ließ alle Gefährten zu sich rufen, um jeden zu segnen. Franziskus starb am Abend des 3. Oktober 1226.

Bis heute zieht er jährlich rund fünf Millionen Besucher nach Assisi, im Jubiläumsjahr noch mehr. Weltweit berufen sich Zehntausende Ordensleute und viele Menschen ohne religiöse Bindung auf ihn. In seiner Nachfolge begründete Papst Johannes Paul II. (1978-2005) 1986, vor 40 Jahren, das Friedensgebet der Weltreligionen in Assisi. Ein weiteres Jubiläum für Franziskus.

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