Im Kosovo werden die früheren Guerillakämpfer der Kosovarischen Befreiungsarmee bis heute als Helden gefeiert – darunter auch ihr Anführer Hashim Thaci. Warum er jetzt dennoch für lange Zeit ins Gefängnis muss.
Ein Sondergericht in Den Haag hat den früheren Staats- und Regierungschef des Kosovos, Hashim Thaci, am Mittwoch zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Richter der Kosovo-Sonderkammern sahen es als erwiesen an, dass Thaci als politischer Anführer der Kosovarischen Befreiungsarmee (UCK) Kriegsverbrechen, darunter willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord, angeordnet oder geduldet hatte.
Keine ausreichenden Beweise sahen die Richter hingegen für die Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die betroffenen Gräuel fanden am Ende des Kosovokrieges (1998/99) statt, der wiederum das letzte Kapitel der jugoslawischen Unabhängigkeitskriege bildet.
In der kosovarischen Hauptstadt Pristina war das Urteil mit Spannung erwartet worden. Die früheren Guerillas, die sich gegen die jugoslawische Herrschaft auflehnten, werden im Kosovo trotz der Vorwürfe von vielen immer noch als Volkshelden verehrt. In der Nacht auf Mittwoch hatten sich sowohl in Pristina als auch in Den Haag Hunderte Kosovaren versammelt. Sie trugen Albanien- und UCK-Flaggen sowie Schilder mit der Aufschrift „Freiheit für die Befreier“.
Der Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien. Thaci fungierte als erster Ministerpräsident und von 2016 bis 2020 als Staatspräsident. Die internationale Justiz lastete dem 58-Jährigen an, als UCK-Kommandeur gemeinsam mit drei Mitangeklagten Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Hunderten Gegnern angeordnet zu haben, darunter Verschleppung, Folter und Mord. Zivilisten seien laut Aussage des Richters willkürlich als serbische „Kollaborateure“ und „Spione“ unrechtmäßig gefangen genommen, unter brutalen und unmenschlichen Bedingungen festgehalten und ermordet worden.
Die Zeugen des 2023 gestarteten Prozesses hätten „großen Mut und Entschlossenheit“ bei ihren Aussagen bewiesen, erklärte der zuständige Richter vor der Urteilsverkündung. Viele von ihnen litten heute noch an Schmerzen, schlaflosen Nächten und Depressionen.
Thaci hatte die Vorwürfe bestritten; das Sondergericht bezeichnete er als „historische Ungerechtigkeit für die Menschen im Kosovo“. Seine Mitangeklagten wurden am Mittwoch zu Haftstrafen zwischen 13 und 25 Jahren verurteilt.
Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de







