Die britische Nationalfahne "Union Jack" weht am 5. Februar 2023 von einer Brüstung in London (Großbritannien). Die Flagge spiegelt sich in einer Glasfassade. Bild: Nicola Trenz/KNA

Mitsprache bei anglikanischen Bischofsernennungen: Premier Burnham sieht sich diskriminiert

Großbritanniens erster katholischer Premier fühlt sich diskriminiert. Tatsächlich darf Andrew Burnham, anders als seine Vorgänger, nicht bei der Ernennung von Bischöfen mitsprechen. Doch er kündigt rechtliche Schritte an.

Großbritanniens erster katholischer Premierminister Andy Burnham protestiert gegen seinen rechtlichen Ausschluss bei der Ernennung von Bischöfen und Erzbischöfen. Es gelte, diese „veraltete und archaische Anomalie“ in der Verfassung zu beseitigen, erklärte er laut britischen Medienberichten am Donnerstag im Unterhaus in London.

Gemäß Gesetzen aus den Jahren 1828 und 1859 ist Katholiken und Juden untersagt, als Premierminister den König bei Ernennungen in der anglikanischen Staatskirche von England und der presbyterianischen Kirche von Schottland zu beraten.

Heutzutage hat die Zustimmung des Premierministers freilich nur noch symbolischen Charakter. Die Kirche schlägt in aller Regel ihren Kandidaten vor, der dann vom König bestätigt wird. Die Praxis geht auf die Reformation im 16. Jahrhundert zurück, als sich Englands König von Rom trennte und sich selbst zum weltlichen Oberhaupt einer anglikanischen Staatskirche machte. Damit nahm er sich auch das Recht zur Ernennung von Geistlichen.

Burnham bestätigte laut den Berichten, dass der Lordkanzler, der Abgeordnete Alex Norris, die Verantwortung zur Mitarbeit an Bischofsernennungen an seiner Stelle übernehmen wird. Die Regierung arbeite jedoch daran, diese verfassungsrechtliche Besonderheit zu ändern.

Schriftlich erklärte er vor dem Unterhaus, es sei „nicht hinnehmbar, dass es ein gesetzliches Hindernis gibt, das Menschen jeglichen Glaubens daran hindert, alle Aufgaben meines Amtes wahrzunehmen“. Seine Regierung werde sobald wie möglich einen Gesetzentwurf einbringen, um diese veraltete und archaische Anomalie zu beseitigen.“

Die Ernennung von Toby Howarth zum Bischof von Leeds erfolgte zwar nach Burnhams Amtsantritt im Juli, jedoch noch auf Anraten von Burnhams Vorgänger, dem Anglikaner Keir Starmer. Laut dem Portal Premier Christian News sind derzeit neun anglikanische Bischofsstühle vakant oder werden in Kürze frei.

Text: KNA | Bild: Nicola Trenz/KNA

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