Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt; das Amazonasbecken wird für Konzerne immer attraktiver. Zugleich pochen Indigene auf ihr Recht und fordern eine verantwortungsvolle Politik.
Erdöl, Bergbau, Drogenanbau: Die Gefahren für den ökologisch so wertvollen Lebensraum Amazonien nehmen zu. Nun haben im ecuadorianischen Puyo soziale und kirchliche Organisationen sowie Umweltschützer eine Wende in der Rohstoffpolitik verlangt. Weil Vertreter der Ureinwohner entgegen anderen Zusagen noch immer keinen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen können, werden deren Forderungen jetzt klarer: „Die indigenen Völker selbst beanspruchen politische Entscheidungsmacht über ihre Territorien“, hieß es zum Abschluss des Panamazonischen Sozialforums.
Die bis Freitag dauernde Veranstaltung wurde von Vertretern der sieben indigenen Völker der Provinz Pastaza geleitet. „Man kann nicht über das Amazonas-Gebiet sprechen, ohne die aktive Beteiligung der Völker zu berücksichtigen, die dort seit jeher leben“, sagt Pablo Fajardo Mendoza, Umwelt- und Menschenrechtsanwalt in Ecuador. Die Teilnahme des UN-Sonderberichterstatters für das Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung, Pedro Arrojo, habe dem Forum zusätzliche Bedeutung verliehen, so Fajardo. Zugleich kritisierte er das Fehlen ecuadorianischer Regierungsvertreter.
Die Regierungen der gesamten Region hätten die Rechtssysteme, die das Leben, die Natur und die Völker schützen könnten, schrittweise geschwächt, um Investitionen zu begünstigen, so der Vorwurf von Fajardo. „Sich dieser Realität zu stellen, wird komplex, riskant und langwierig sein“, meint der Anwalt, der zu den populärsten Verfechtern von Interessen der Indigenen und der Umwelt in Ecuador zählt.
Vivian Idrovo vom Netzwerk „Allianz für Menschenrechte“ weist darauf hin, das Forum habe nachdrücklich unterstrichen, dass indigene Völker und lokale Gemeinschaften nicht einfach „Hüter des Amazonas“ seien, „sondern Eigentümer der Gebiete und als solche Inhaber kollektiver Rechte an diesem Territorium“. Von deren Achtung und Schutz hänge die Existenz des Amazonas ab – und der ist wiederum ein „universelles Gut, das der gesamten Menschheit zugutekommt“, sagt Idrovo.
In seiner politischen Analyse der neun Amazonas-Anrainerstaaten kommt der Aktivist zu dem Urteil, dass die Demokratie dort auf dem Rückzug ist. Land wird gezielt enteignet – auch mithilfe einer Militarisierung. „Diese Situation entsteht durch die Anhäufung von Reichtum und politischer Macht durch Konzerne, die in den Gebieten eine Agenda des aggressiven Rohstoffabbaus durchsetzen“, meint Idrovo. Er wirft den Unternehmen vor, sie manipulierten Institutionen, Gesetzgebung, Justiz- und Wahlsysteme, spalteten das soziale Gefüge und verfolgten Menschenrechtsverteidiger.
Entsprechend appellierte das Sozialforum an die internationale Gemeinschaft, „das Recht auf Selbstbestimmung, Selbstverwaltung und indigene sowie bäuerliche Institutionen des eigenen Rechts als legitime rechtliche Strategien zur Reaktion auf Mangel an staatlichem Schutz zu respektieren und zu fördern“. Immer wieder seien Gerichtsurteile zum Schutz von Umwelt und indigenen Rechte ignoriert worden; dies müsse ein Ende haben.
Das Panamazonische Sozialforum findet alle zwei Jahre statt. Jetzt tagte es zum zwölften Mal. Es versteht sich als autonome und pluralistische Plattform, die indigene Völker, afro-stämmige Völker, lokale Gemeinschaften, soziale Bewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Wissenschaftler aus den neun Ländern des Amazonasbeckens zusammenbringt: Ecuador, Peru, Brasilien, Bolivien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guayana. Aus Deutschland war unter anderem das Bischöfliche Hilfswerk Misereor vor Ort vertreten.
Text: Tobias Käufer (KNA) | Bild dr/weltkirche.de


