Ein Holzkreuz liegt auf einer US-amerikanischen Fahne am 2. Dezember 2020 in Bonn. Bild: Julia Steinbrecht/KNA

Impfstreit in Florida – Staatsanwalt droht Kirche mit Kürzungen bei Schulbeihilfen

Schüler in katholischen Schulen sollen das Recht haben, aus religiösen Gründen eine Befreiung von der Impfpflicht zu beantragen, fordert Floridas Generalstaatsanwalt. Hintergrund ist die Debatte um Abtreibungen.

Text: Tobias Käufer/KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA

Kaum ein Thema wird in den USA so emotional diskutiert wie die Impflicht. Mit dem republikanischen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sitzt in Washington ein „Impf-Skeptiker“ an den Schalthebeln der Macht. Seit seinem Amtsantritt versucht er, geltende Impflichten zu lockern.

Nun droht das Thema im US-Bundesstaat Florida die katholische Kirche zu betreffen. Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat die katholischen Schulen aufgefordert, Schülern aus religiösen Gründen eine Befreiung von der Impfpflicht zu gewähren. Tun die Schulen dies nicht, könnte der Bundesstaat staatliche Fördermittel streichen, zum Beispiel für Schulgutscheine.

Anlass für den Streit ist laut Medienberichten die Entscheidung mindestens einer Schule in der Region, Impf-Ausnahmen zu verweigern, die aus religiösen Motiven beantragt wurden. In einem Brief an den Zusammenschluss der Bischöfe Floridas verurteilt Generalstaatsanwalt Uthmeier dies als einen Verstoß gegen gültige Gesetze – und beruft sich auf grundlegende katholische Prinzipien.

„Als Katholik bin ich überzeugt, dass die Lehren der katholischen Kirche nicht verlangen, dass katholische Schulen Schüler zwingen können, Impfstoffe zu bekommen, die aus dem Gewebe abgetriebener Kinder gewonnen wurden – entgegen den aufrichtigen religiösen Einwänden ihrer Eltern“, zitiert die Zeitung „Miami Herald“ den Staatsanwalt.

Staatsanwalt stellt Ultimatum

Uthmeier droht damit, dass katholische Schulen, die keine religiösen Ausnahmen von den Impfvorschriften gewähren, „möglicherweise vom Erhalt staatlicher Stipendien und Gutscheine ausgeschlossen werden könnten“. Gleichzeitig setzt er den Kirchen ein Ultimatum bis 7. August; bis dahin müsse eine offizielle Antwort eingehen. In einer ersten Reaktion teilte die Kirchenleitung mit: „Seien Sie versichert, dass die katholischen Schulen in Florida in Einklang mit dem Gesetz und den Lehren der Kirche arbeiten.“

Mehr als 95 Prozent der an katholischen Schulen in Miami eingeschriebenen Schüler erhalten in unterschiedlicher Form staatliche Unterstützung. Laut Angaben der Erzdiözese Miami gibt es Zuschüsse von bis zu 6.500 Dollar (umgerechnet rund 5.600 Euro) an Schulgutscheinen zur Deckung der Schulgebühren.

Katholische Schulen erfreuen sich in Florida wachsender Beliebtheit. Die Schülerzahlen an Schulen der Erzdiözese Miami stiegen von 28.760 im Schuljahr 2015/16 auf 31.142 im Schuljahr 2025/26 – ein Anstieg von 8,2 Prozent. Dagegen sind die Schülerzahlen an den öffentlichen Schulen im Süden Floridas stark rückläufig.

Sollten den katholischen Schulen tatsächlich die Mittel gekürzt werden, wäre das binnen weniger Monate der zweite große Rückschlag. Jüngst hatte das im US-Gesundheitsministerium angesiedelte Office of Refugee Resettlement einen Vertrag über elf Millionen Dollar überraschend gekündigt, was zur Entlassung von Dutzenden Beschäftigten in der kirchlichen Einrichtung Catholic Charities in Miami führte.

Besonders betroffen war davon das renommierte Bryan Walsh Children’s Village, das seit den 1960er Jahren unbegleitete Migrantenkinder vor allem aus Kuba beherbergt. Die Behörde teilte zur Begründung der Entscheidung mit, die tägliche Zahl der unbegleiteten Migrantenkinder sei unter der Trump-Regierung deutlich niedriger als unter Joe Biden.

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