Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. wird vor allem als Beitrag zur Technik- und Sozialethik gesehen. Doch auch zu vielen anderen Themen, die in der weltkirchlichen Arbeit relevant sind, finden sich spannende Impulse.
Von Damian Raiser/weltkirche.de
Mit Magnifica Humanitas ist vor wenigen Tagen die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. erschienen. In der Berichterstattung zu dem Lehrschreiben wird vor allem auf die dort vorgenommene ethische Betrachtung von jenen Computersystemen eingegangen, die menschliche Fähigkeiten imitieren – und landläufig als „Künstliche Intelligenz“ (KI) bezeichnet werden. Doch das greift viel zu kurz.
Denn im Mittelpunkt von Magnifica Humanitas steht nicht die KI, sondern die Bewahrung des Menschen. Ob Menschenwürde, Solidarität, Subsidiarität, soziale Gerechtigkeit, gerechte Wirtschaftssysteme, Demokratie, Sklaverei ganzheitliche Entwicklung, Frieden, Multilateralismus oder Aufrüstung: Vor dem Hintergrund neuer technischer Möglichkeiten nimmt der Papst die Fäden vieler Debatten zur christlichen Sozialethik auf, sortiert sie neu und probiert, darin Orientierung zu bieten.
Es überrascht, wie gut sich Konzepte älterer Sozialenzykliken auf aktuelle Entwicklungen anwenden lassen. Daher kann ich nur empfehlen, Magnifica Humanitas auch im Weltkirche-Bereich eingehend zu lesen – am besten komplett; für den Anfang aber zumindest die Abschnitte ab der Nummer 82 (Entwicklung), Nr. 101 (Auswirkungen von KI auf die Umwelt), Nr. 122 und Folgende (Institutionen zum Schutz des gemeinsamen Lebens), Nr. 158/159 (gerechtes Wirtschaften, BIP), Nr. 173-179 (moderne Sklaverei und Vergebungsbitte), sowie Nr. 201-203 (Multilateralismus und Friedensaufbau).
Zugegeben: Die Sprache ist zunächst etwas fremd. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Die Lektüre lohnt sich wirklich, denn Magnifica Humanitas ist nicht die Erzählung einer bevorstehenden, unausweichlichen Apokalypse. Der Text zeigt vielmehr: Es gibt Hoffnung – und jeder und jede kann etwas tun. Oder wie es Papst Leo XIV. am Ende seiner Enzyklika selbst ausdrückt:
„Der Herr macht weiterhin alles neu und hält jeder Epoche die Möglichkeit offen, im Licht der Menschwerdung zu einer Geschichte des Heils zu werden.“
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Bild: dr/weltkirche.de






