Benediktinerabt Nikodemus Schnabel (Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem) Bild: Harald Oppitz/KNA

Benediktinerabt Schnabel: Israels Regierung lässt Hass auf Christen zu

Zuletzt sorgte ein brutaler Angriff auf eine Nonne in Jerusalem für Entsetzen. Der Benediktiner Nikodemus Schnabel fürchtet eine Eskalation antichristlicher Gewalt durch radikale Juden. Die Regierung sei in der Pflicht.

Der Abt der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio, Nikodemus Schnabel, warnt vor einem eskalierenden Christenhass radikaler Juden in Israel. Die Gründe dafür sieht er auch bei der rechtsgerichteten israelischen Regierung. „Wir sehen eine komplette Enttabuisierung dieses Christenhasses“, sagte Schnabel im Deutschlandfunk.

Nach Vorfällen wie zuletzt dem brutalen Angriff auf eine französische Nonne in Jerusalem folge vonseiten der Regierung keine empörte Reaktion. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe noch nie eine Solidaritätsadresse für christliche Opfer von Übergriffen abgegeben. „Da müsste der Staat klare Kante zeigen, und das sehe ich nicht.“

Vielmehr sitze mit dem Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, sogar ein notorischer Christenhasser selbst in der Regierung, so der Benediktiner. Währenddessen forderten Abgeordnete im israelischen Parlament, der Knesset, dass Israel von Kreuzen und anderen nichtjüdischen Symbolen „gereinigt“ werden müsse.

Übergriffe gab es schon früher – aber versteckter

„Sobald ich als Mönch sichtbar auf die Straße gehe in Jerusalem, kann ich zählen, wie oft ich angepöbelt werde“, berichtete Schnabel über seine Erfahrungen. Früher seien solche Übergriffe eher versteckt und im Dunkeln geschehen. „Jetzt werde ich am hellichten Tag angespuckt.“

Jüngst hatte das Video von dem Angriff auf die Nonne auf offener Straße für Entsetzen gesorgt. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann die Frau von hinten zu Boden stößt und danach auf sie eintritt. „Das Video ist schockierend“, sagte Schnabel. Die Brutalität der Attacke zeige eine neue Eskalationsstufe, so der Abt, der sich auch klarere Worte von der deutschen Bundesregierung zur zunehmenden Gewalt gegen Christen in Israel wünscht.

Schnabel betonte aber auch, dass viele jüdische Israelis die Gewalt gegen Minderheiten verabscheuten und den multireligiösen Charakter des Landes bewahren wollten. So gebe es etwa zwei jüdische Initiativen, die die Übergriffe gegen Christen dokumentierten.

Text: KNA | Bild: Harald Oppitz/KNA

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