Gebäude der Nationalversammlung Armeniens in der Hauptstadt Jerewan. Bild: Nicola Trenz/KNA

Auf Gipfel in Jerewan: EU und Armenien stärken Partnerschaft

Mehr Nähe: Armenien und die Europäische Union bauen ihre Partnerschaft aus. Die EU hilft auch aus eigenem Interesse – Armenien ist traditionell russisches Einflussgebiet. Das kleine Land in schwieriger Nachbarschaft wagt den Spagat.

Die Europäische Union und Armenien wollen enger zusammenarbeiten. Beim ersten EU-Armenien-Gipfel in der armenischen Hauptstadt Jerewan einigten sich beide Seiten auf eine stärkere Partnerschaft in Sicherheits- und Wirtschaftsfragen sowie mehr Vernetzung in Bereichen wie Verkehr, Energie und Digitales. Ein entsprechendes Abkommen sei unterschrieben worden, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit.

Neben den Beziehungen Armeniens zur EU thematisierten die Teilnehmenden, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa sowie Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan, auch regionale und globale Herausforderungen.

Armenien ist etwa so groß wie Brandenburg und hat rund drei Millionen Einwohner. Die ehemalige Sowjetrepublik grenzt an den Iran, die Türkei, Georgien und Aserbaidschan. Immer wieder, zuletzt im September 2023, kämpften Armenien und Aserbaidschan gegeneinander. Im August 2025 unterzeichneten die Länder ein historisches Friedensabkommen.

Die EU begrüßte erneut diese Annäherung. EU-Ratspräsident Costa lobte Paschinjans politischen Kurs: Er habe dem Frieden und einer besseren Zukunft für das Land Priorität eingeräumt. Die EU unterstütze seine Reformagenda – auch finanziell und technisch.

EU-Unterstützung für Grenzschutz und Reformagenda

Mit der zivilen Beobachtermission EUMA patrouillieren bereits seit Jahren unbewaffnete Kräfte in der Grenzregion zu Aserbaidschan und berichten über Zwischenfälle. Jüngst beschloss der Rat der EU eine weitere Mission – gegen ausländische Einflussnahme. Sie soll armenische Behörden im Umgang mit Desinformation, Cyberangriffen und illegalen Geldströmen stärken. Die EU blickt dabei besonders auf die anstehenden Parlamentswahlen im Juni. Paschinjan regiert die Ex-Sowjetrepublik seit 2018 und strebt eine dritte Amtszeit an.

Trotz der Signale in Richtung EU blickt Armenien weiterhin in Richtung Russland. Das kleine Land braucht russische Energielieferungen und den Handel mit seinem engsten Handelspartner. Die EU macht nur etwa acht Prozent des Handelsvolumens aus. Einen EU-Beitrittskandidatenstatus hat Armenien nicht.

Am Sonntag und Montag hatten sich in Armenien bereits die Spitzen der EU sowie viele Staats- und Regierungschefs zum Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft getroffen – dieses informelle Austauschformat tagte erstmals im Südkaukasus. Dabei waren etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz. Damit reiste erstmals seit fast 20 Jahren ein hochrangiger türkischer Politiker nach Armenien. Die Beziehung zwischen beiden Ländern ist historisch belastet. In jüngster Zeit laufen vorsichtige Schritte der Annäherung.

Text: KNA | Bild: Nicola Trenz/KNA

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