Der kolumbianische Küstenort Santa Marta taucht hierzulande eher selten in den Schlagzeilen auf. Aber was sich in den vergangenen Tagen dort abspielte, könnte Auswirkungen auf Europa und den Rest der Welt haben.
Text: Joachim Heinz (KNA) | Bild: Damian Raiser/weltkirche.de
Raus aus Öl, Kohle und Gas? Das dürfte für viele Menschen in Deutschland angesichts steigender Preise für Benzin und Heizen inzwischen nach einer verlockenden Vorstellung klingen. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus führen vor Augen, wie abhängig die Welt von fossilen Energieträgern ist und wie schnell sich diese Abhängigkeit in den Portemonnaies der Verbraucher bemerkbar macht.
Es gibt da aber auch noch einen anderen Grund, warum der Umstieg auf erneuerbare Energien wie Sonne und Windkraft ratsam erscheint. Beim Verbrennen von Öl, Kohle und Gas wird Kohlendioxid freigesetzt. Zusammen mit anderen klimaschädlichen Gasen ist CO2 dafür verantwortlich, dass sich die Erdatmosphäre immer weiter aufheizt. Die Folgen: Dürren, Überflutungen, Hitzewellen, Stürme, steigende Meeresspiegel. Das alles betrifft besonders die Ärmsten der Armen, die in Afrika, Asien und Lateinamerika leben.
Die 1. globale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien war ein großer Erfolg! Zwei Tage intensiver, offener und vertrauensvoller Diskussionen haben gezeigt, dass wir mit enger Zusammenarbeit den Ausstieg beschleunigen können. Der Fossil-Ausstieg wird kommen – schneller als manche denken. #TAFF
— Jochen Flasbarth (@jochenflasbarth.bsky.social) 30. April 2026 um 16:57
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Seit Jahren versucht die Staatengemeinschaft, den Ausstoß von CO2 einzudämmen. Die Verhandlungen kulminieren am Ende eines jeden Jahres bei den Weltklimakonferenzen. Doch die Gespräche verlaufen zäh – während die Zeit für den Klimaschutz davonrennt. Zu den großen Bremsern gehören die USA unter Präsident Donald Trump. Es gibt aber auch jene, die auf mehr Tempo dringen. Diese „Koalition der Willigen“ hat sich jetzt erstmals auf Initiative der Niederlande und von Kolumbien getroffen: im kolumbianischen Küstenort Santa Marta.
Neben Vertretern aus 57 Staaten – auf die ein Drittel des weltweiten Ölverbrauchs entfällt, waren auch Wissenschaftler, Menschenrechtler, Angehörige indigener Völker sowie weitere Expertinnen und Experten zugegen. Für Deutschland nahm Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth teil, ein erfahrener und international anerkannter Verhandler. Am Mittwoch endeten die Gespräche in Santa Marta – und Beobachter wie der Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch, Petter Lydén, waren voll des Lobes.
„Klares Signal“
„Die Tatsache, dass diese Konferenz überhaupt stattgefunden hat, ist angesichts des massiven Drucks der von der fossilen Lobby dominierten Staaten rund um die USA ein großer Erfolg“, so Lydén. „Fast schon symbolisch begann der Zusammenschluss der Öl produzierenden Länder, der OPEC, während dieser Konferenz zu bröckeln, als die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt ankündigten.“
Die katholische Hilfsorganisation Misereor wertet die Konferenz als „klares Signal“ für eine Abkehr von fossilen Energien. Es zeige sich, „dass die politischen Weichen für einen weltweiten fossilen Ausstieg gestellt sind und dieser Prozess nun an Dynamik gewinnen wird“, sagt Misereor-Klimaexpertin Madeleine-Alisa Wörner mit Zuversicht. Wörner war – wie auch eine Reihe lateinamerikanischer Kirchenvertreter vor Ort in Santa Marta.
Ein Blick auf die Homepage der Konferenz hinterlässt einen gemischten Eindruck. Man wolle nicht die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen UNFCCC ersetzen und damit an den etablierten Strukturen der Weltklimakonferenzen rütteln, heißt es da. Das und die Tatsache, dass Irland und der kleine Pazifikstaat Tuvalu bereits als Ausrichter einer Folgekonferenz 2027 feststehen, lässt eher wenig Ehrgeiz und dafür ein Mehr an Konferenztourismus befürchten.
Aber was in der 15-seitigen Zusammenfassung des Treffens von Santa Marta steht, hat durchaus Potenzial für substanzielle Veränderungen. So diskutierten die Teilnehmer über Steuern, die Unternehmen der fossilen Brennstoffbranche und Investoren dazu bringen, ihr Kapital in erneuerbare Energien zu investieren. Zugleich bekräftigten sie, dass Subventionen für Öl, Kohle und Gas – jährlich über eine Billion US-Dollar – auf den Prüfstand gehörten.
Im Sommer sollen die Ergebnisse der Konferenz von Santa Marta unter anderem in die Vorverhandlungen zur nächsten Weltklimakonferenz eingespeist werden, die im November im türkischen Antalya stattfindet. Die „Koalition der Willigen“ spürt jedenfalls jetzt schon Rückenwind. Sonne und Wind statt Öl und Gas? Die weltweite Kapazität bei den erneuerbaren Energien sei 2025 um fast 50 Prozent höher gewesen als 2023, heißt es.





